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Großes Fressen: Wissen rund ums Futter

 
Liebe geht durch den Magen, auch die zum Pferd! Und genau deshalb ist jeder Pferdebesitzer bei Fragen rund ums perfekte Futter für sein Pferd hellhörig, wissbegierig und bereit, gutes Geld für beste Beratung und hervorragende Produkte auszugeben. Ein Auftrag für jeden Fachhändler, egal ob er mit Futtermitteln handelt oder nicht, sich mit der Pferdefütterung auszukennen, vom Basiswissen über Fütterungstechnik bis hin zu den angesagten Futtertrends.

 

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Futtertrends
Die Frage „Getreidefütterung, ja oder nein?“ beschäftigt seit einiger Zeit viele Reiter – und damit sicherlich auch Sie als Händler. Doch ist Getreide nun gut oder schlecht? Und was haben die weiteren Trends „zuckerfrei“ und „Aminosäuren“ damit zu tun? Getreide, vor allem Hafer, ist das traditionelle Pferdefutter und im Normalfall bestens verträglich. Gerste und Mais kann das Pferd ebenso optimal verdauen, wenn sie vorher durch hydrothermischen Stärkeaufschluss verarbeitet wurden. Werden bei der Fütterung die Empfehlungen der GfE für die Zufuhr an Stärke in Bezug zur Leistung eingehalten, ist Getreidefütterung nach wie vor eine gesunde Energiequelle.
 
„Getreide macht also nicht
per se krank“, erklärt die Futterexpertin Sophia Riegger von marstall. Liegt allerdings ein Missverhältnis zwischen Energieverbrauch und Futtermenge vor und/oder auch eine Stoffwechselerkrankung oder sonstige fütterungsbezogene Krankheit, sollte auf Getreide verzichtet werden. Ursache für Erkrankungen wie Insulinresistenz, Fütterungsrehe, EMS (Equines Metabolisches Syndrom), PSSM (PolySaccharidSpeicherMyopathie) oder ECS (Equines Cushing Syndrom) ist neben genetischen Faktoren und Alter vor allem ein zu hoher Body Condition Score (BCS). In der Beratung ist es daher wichtig, den genauen Grund für den Wunsch nach getreidefreiem Futter für das Pferd zu kennen.
 
Ähnliches gilt auch bei der Frage:
„Ist da Zucker drin?“ Melasse bringt beispielsweise Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe mit in die Ration, hat zum Beispiel zum Binden von Staub ihre Daseinsberechtigung und ist natürlich auch Geschmacksträger. Was viele nicht wissen ist, dass Melasse nur noch einen geringen Anteil Zucker enthält, da der Kristallzucker weitgehend herausgelöst ist. Stärke wird vom Pferdeorganismus in Zucker verstoffwechselt. Beides sollte aber in Maßen und im Verhältnis zur Arbeit des Pferdes gefüttert werden. Vorsicht ist auch hier bei Pferden mit Insulinresistenz, EMS oder Cushing geboten, da sie auf stark zuckerhaltiges Gras oder stärke-/zuckerreiche Getreidekraftfutter schnell mit Hufreheschüben reagieren.
 
Wichtig bei jeder getreidefreien Ration ist übrigens, auf ausreichend leichtverdauliche Proteine zu achten – womit wir beim Futtertrend Nummer drei sind. Bei vielen ist noch nicht angekommen, dass Hufrehe im Normalfall nicht durch Eiweiß hervorgerufen wird. Neben Überbelastungen oder Blut-/Darmvergiftungen werden die meisten Hufreheschübe durch Zuckerstoffe ausgelöst. Proteine und ihre Bausteine Aminosäuren dagegen sind lebenswichtig und ein Mangel äußert sich schnell in einer schlechten Muskulatur trotz ausreichend Training. Gerade die essenziellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Threonin müssen komplett über das Futter aufgenommen werden. Hinzu kommt, dass ohne diese auch die anderen nicht verstoffwechselt werden können. „Schauen Sie sich in Bezug auf Proteine/Aminosäuren immer den Gehalt an dünndarmverdaulichem (Pcv) Rohprotein statt dem Gesamtprotein an. Denn nur im Dünndarm kann das Pferd Aminosäuren aufnehmen“, empfiehlt marstall-Futterexpertin Sophia Riegger. Alle anderen wandern ungenutzt in den Dickdarm und müssen dort aufwändig verstoffwechselt werden. „Zusammenfassend kann man sagen, dass diese drei Trends, die in unserer Beratung beobachten, nicht alleine zu betrachten sind. Darüber hinaus ist es wichtig, immer den Grund für einen bestimmten Fütterungswunsch zu kennen, um darauf in der Beratung eingehen zu können.“ Vielen Dank, Sophia Riegger von marstall! www.marstall.eu
 

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Hafer – grün statt gold?
Hafer – natürlich goldgelb – ist das traditionelle Krippenfutter, das noch heute in den meisten Trögen landet und das eine oder andere Pferd nach dem Verzehr bekanntlich „sticht“. So heißt es zumindest. Über seine Eigenschaften – positive wie negative – ist nach jahrhundertelangem Einsatz viel bekannt. Hafer punktet mit hohem Energiegehalt, enthält viele Mineralstoffe und Aminosäuren und er schmeckt unseren Pferden. Er bekommt allerdings immer mehr Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Bieten Sie ihn also nicht immer nur „klassisch“ an!
 
Früh geerntet, ganz genutzt
Ganz, gequetscht, melassiert und aufbereitet („Reformhafer“), in den Varianten „Goldhafer“ oder „Schwarzhafer“ – kaum ein Pferd, das nicht schon von diesem Getreide gekostet hat. In der breiten Palette der Haferprodukte allerdings ist der Grünhafer noch relativ unbekannt. Begrifflich scheint sich der „Grünhafer“ nahtlos in Bezeichnungen wie Goldhafer oder Schwarzhafer einzureihen und nahezulegen, dass es sich dabei schlicht um eine weitere Sorte handelt, also um Hafer, dessen Korn vielleicht ein wenig grünlich erscheint. Dem ist aber nicht so. Unter Grünhafer wird ein Pferdefutter verstanden, das in zwei wesentlichen Punkten von unserer Vorstellung einer konventionellen Haferfütterung abweicht: Zum einen erfolgt die Ernte bereits, wenn das Korn noch in der Milchreife ist, also lange vor dem sonst üblichen Erntezeitpunkt des Getreides, zum anderen wird die ganze Pflanze gewonnen und weiterverarbeitet, nicht nur das Korn. Die Bedeutung von Grünhafer in der Pferdefütterung lässt sich deshalb auch nicht richtig durch einen Vergleich mit „normalem“ Hafer erschließen – das hieße nicht, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sondern Äpfel mit Apfelbäumen...
 
Ballast und Power
Grünhafer vereint Merkmale eines Raufutters und eines Kraftfutters in sich. Und hat im Grunde genommen mehr Ähnlichkeit mit Produkten wie Wiesencobs als mit der traditionellen Schippe Hafer in der Futterschüssel. Anders als bei reinem Hafer ist hier das Calcium-/Phosphorverhältnis ausgeglichen. Die Eiweißmenge in der Gesamtration kann durch die Gabe von Grünhafer reduziert werden – wichtig, nicht nur für die Lebergesundheit unserer Pferde. Die Menge an zugeführten Ballaststoffen wird erhöht, auch dies ein Pluspunkt für die Gesundheit. Der Produktionsweg des Grünhafers beginnt mit der frühen Ernte und der raschen Trocknung mittels Warmluft. Dann verzweigt sich der weitere Werdegang: Entweder wird der Grünhafer pur und in Gänze vermarktet, oder er wird gehäckselt und dann beispielsweise zu Pellets weiterverarbeitet oder auch mit anderen Einzelfuttermitteln (zum Beispiel Luzerne) gemischt. Grünhafer wird nicht als alleiniges Raufutter eingesetzt, sondern soll Grundfutter ergänzen beziehungsweise teilweise ersetzen.

 

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Bio: besser für alle
Der Verbraucher erhofft sich von Lebensmitteln mit Bio-Zertifikat zweierlei: geringere Belastung mit schädlichen Stoffen und mehr Geschmack. Ob Bio-Lebensmittel tatsächlich besser schmecken, darüber wird noch heftig gestritten, dazu wird aber auch intensiv geforscht. Dass unter dem Dach aller Bio-Siegel sowohl die entsprechenden Produkte weniger mit Schadstoffen belastet sind als auch die Umwelt vor dem direkten und indirekten Eintrag gefährlicher Mittel geschützt wird, ist dagegen unstrittig. So sind etwa synthetische Pflanzenschutzmittel und gentechnisch verändertes Futter generell nicht erlaubt, bestimmte Insektizide nur bei manchen Siegeln zulässig und auch der Einsatz von Beruhigungsmitteln komplett untersagt. Greift der Pferdefreund also zu Futtermitteln mit Bio-Zertifikat, bekommt er keine Mogelpackung, sondern genau das, was deklariert wird – die Produkte, aus denen das Futter besteht oder gemischt ist und nicht etwa unsichtbare, aber (potentiell) schädliche Rückstände.
 
Drei gute Gründe sprechen für den Einsatz von Futtermitteln aus ökologischer Landwirtschaft auch in der Pferdehaltung:
– Der Pferdehalter möchte einen Beitrag zur Unterstützung eines nachhaltigen,
   schonenden Umgangs mit Ressourcen und zur artgerechten Tierhaltung
   in der Landwirtschaft leisten,
– erhofft sich dabei eine geringere Belastung seiner Pferde mit potentiell
   schädlichen Inhaltsstoffen wie etwa Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln und/oder
– er greift als Inhaber eines zertifizierten Bio-Pferdebetriebes bewusst zu
   entsprechend gekennzeichneten Produkten, wenn die Eigenproduktion nicht ausreicht.
 
 Alles Bio oder was?
„Bio boomt“, „natürlich“ ist in. Das sollten Sie beim Blick auf Ihr Futtersortiment einplanen und dem Wunsch der Kunden nachkommen. Ökologisch sollte das sein, umweltschonend angebaut, verarbeitet, verpackt. Ein rundherum faires Produkt also. Und ein gesundes natürlich. Teil dieser Umkehr von „schneller, extensiver, billiger“ durch Technik war die Einführung des europäischen Bio-Siegels, „Markenzeichen“ der ökologischen Landwirtschaft und seiner Produkte. Ursprünglich vor allem als Kennzeichnung ökologisch gewonnener Lebensmittel bekannt, spielen dieses Logo und andere Siegel nun auch in der Pferdefütterung und -Haltung eine zunehmend größere Rolle.
 
Bio-Boom mit Fragezeichen
Es klingt ganz einfach: Erzeugnisse aus dem ökologischen Landbau sichtbar markieren und herausstellen, damit deren Vermarktung unterstützen, gleichzeitig für mehr Sicherheit beim Verbraucher sorgen und so die umweltschonende Produktion von Lebensmitteln und die artgerechte Haltung von Tieren langfristig fördern. Auf diese Weise sollte eine der vielen „Wenden“ geschafft werden, die immer wieder beschworen werden. Von einer nachhaltigen ökologischen Wende aber sind wir noch weit entfernt, obwohl wichtige Schritte tatsächlich bereits gelungen sind. Das Bio-Siegel hat dazu zwar seinen Beitrag geleistet, steht aber selbst immer wieder in der Kritik.
 
Verwirrung statt Klarheit: Das europäische Bio-Siegel ist nur eines von vielen Siegeln, mit denen Produkte aus ökologischer Landwirtschaft gekennzeichnet werden. Im Umlauf sind zahlreiche weitere Logos; jedes steht für einen eigenen Katalog von Kriterien. Internationale, nationale und regionale Siegel sowie die Logos verschiedener Anbauverbände (zum Beispiel Bioland, Demeter) kennzeichnen sichtbar Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau, die aber unter unterschiedlichen Bedingungen gewonnen wurden. Beim Verbraucher hat diese Vielfalt an Kennzeichen teilweise für mehr Verwirrung als für größere Sicherheit gesorgt.
 
Kontrolle mit Lücken: Nur wer die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, soll seine Produkte mit dem europäischen Bio-Siegel kennzeichnen dürfen – dafür sorgen eigene Kontrollstellen und eine umfassende Dokumentationspflicht der Betriebe. Die vorgeschriebenen Kontrollen erfolgen mindestens einmal jährlich – aber nach Voranmeldung. Zusätzliche Kontrollen werden ohne Voranmeldung durchgeführt. Unfehlbar ist dieses System anscheinend nicht, das zeigen nicht zuletzt die jüngsten Skandale um gefälschte Bioprodukte und die nicht artgerechte Haltung von Hühnern auf zertifizierten Betrieben.
 
Kleinster gemeinsamer Nenner: Die größte Stärke des europäischen Bio-Siegels ist zugleich seine größte Schwäche: Wer europaweit den ökologischen Landbau unter einem Dach vereinen will, muss kompromissbereit sein, da viele ganz unterschiedliche Interessen, regionale Gewohnheiten und individuelle Probleme aufeinandertreffen. Heraus kommt eine gut gemeinte Regelung, die von einem großen Wurf dennoch weit entfernt ist. So sind viele Vorgaben des europäischen Siegels weitaus weniger streng als etwa bei den ökologischen Anbauverbänden. Tiere aus EU-Biobetrieben können nach wie vor zum Schlachten quer durch Europa gefahren werden, während die Anbauverbände hier engere Grenzen setzen.

 

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Liebe, Lob und Leckerli
Sie gehören zu den Mitnahmeartikeln schlechthin: Pferdeleckerlis, die in den letzten Jahren in Zusammensetzung und Präsentation einen regelrechten Boom erlebt haben. Neben einer schier unüberblickbaren Variabilität in Form und Rezeptur hat sich von der Zusammensetzung und dem Einsatzgebiet über die Namensgebung bis hin zur „appetitlichen Verpackung“ so einiges getan.
 
Gib mir die Kugel
Cracker, Kringel oder Kugeln, Sterne, Sticks oder Stückchen oder Batzen, Ballen oder Blumen, Chips, Drops, Herzen, Keks, Plätzchen, Tropfen und Würfel – so vielfältig die Namensgebung für die kleinen Leckereien zwischendurch, so abwechslungsreich auch die Designs und – das macht das Ganze kompliziert – so „bunt“, um nicht zu sagen unübersichtlich, auch ihre Zusammensetzung. Die nämlich reicht vom reinen Naturprodukt, das nichts weiter als einen Trocknungsvorgang durchlaufen hat, über Produkte, die sich komplett aus natürlichen Inhaltsstoffen zusammensetzen, bis hin zu kleinen „Chemiebomben“ – also zu Leckerlis, die randvoll sind mit Konservierung, mit Farbstoffen und mit künstlichen Aromen. Augen auf also beim Blick auf den Beipackzettel und der gute Rat: Je mehr Natur drin – und je weniger „Chemie“ – desto besser. Da müssen die Princess-Pringels in zart-rosé mit süßem Glitzer und Erdbeeraroma vielleicht einfach mal im Regal verbleiben und stattdessen die blass-grünlichen Nature-Sticks in den Einkaufswagen und den Pferdemagen wandern. Natürlich naschen Pferde getrocknete Apfel- oder Karottenschnitzel ebenso wie getrocknete Hagebutten.
 
Aufgebröselt – das steckt drin im Pferdekeks
„Leckerlis sollten für das Pferd schmackhaft sein, denn nur dann erfüllen sie auch ihren eigentlichen Zweck“, sagt Claus Zobel und führt aus: „Hier eignen sich die normalen Komponenten wie Getreide, Obst- oder/und Gemüseprodukte – teils in verarbeiteter Form – sowie getrocknete und vermahlene Grünpflanzenprodukte wie Heu, Luzerne oder Esparsette.“ Exotische Komponenten finden bei den meisten Herstellern nur selten oder wenn dann nur dosiert ihren Einsatz, weil sie nicht immer bei höheren Einsatzmengen schmackhaft sind. Zobel unterscheidet drei Grundvarianten von Leckerli: „Die klassischen Leckerlis, die von der Komponentenwahl gesehen ganz normal Getreide, Luzerne und Komponenten wie Kraftfutter enthalten – für alle gesunden und normalen Pferde.“ Als absolute Trendsetter nennt Zobel die „Frei von“-Leckerli. Das sind Leckerlis ohne Zusatzstoffe, ohne Konservierungsstoffe, getreidefrei, melassefrei. Bei der dritten Variante handelt es sich um ganz bewusst konzipierte Belohnungsfutter wie Weidemineralien oder Functional Food mit ganz bestimmten Einsatzgebieten, bei denen in den 100 Gramm pro Tag die komplette Menge an allen wichtigen Vitaminen, Mineralien und Zusatzstoffen drin sind. „Die sind wichtig, weil wir immer mehr leichtfutterige Pferde haben und die Rationen immer heubetonter werden. Damit wird der Einsatz von Kraftfutter immer weniger, somit steht das klassische Kraftfutter nicht mehr oder immer seltener als Lieferant für Spurenelemente und Vitamine zur Verfügung“, so der Fachmann.

 

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Saures Übel: Magengeschwür
Oft sind die Kunden mit ihrem Fütterungslatein am Ende und fragen Sie: Was soll ich denn bloß noch füttern? In diesem Fall können Sie auch das Thema Magengeschwür einmal ansprechen. Denn öfter als man denkt, sind veritable Löcher in der Magenschleimhaut Grund für einen schlechten Futter- und Allgemeinzustand. Das Pferd knirscht mit den Zähnen, frisst schlecht oder nimmt trotz ausreichender Fütterung ab, es leidet unter „Aufstoßen“ sowie Maulgeruch und seine Leistungsfähigkeit lässt nach? Ein Magengeschwür könnte hier die Ursache sein.
 
Omeprazol ist Wirkstoff der Wahl
Die schmerzhaften Defekte der Magenwand sind prinzipiell gut zu behandeln. Es gibt zwei Vorgehensweisen: ein Medikament zur Reduktion der Ausschüttung der Magensäure und eine therapiebegleitende Gabe von Futterergänzungsmitteln. In jedem Fall ist Omeprazol der medikamentöse Wirkstoff der Wahl, ein Protonenpumpenhemmer, der die Ursache der Übersäuerung behebt und schnell sowie effektiv zur Heilung führt. Nur bei Omeprazol sind die ausreichende Wirksamkeit und die erforderliche Sicherheit für den Einsatz beim Pferd nachgewiesen, so dass unter der Therapie weitergearbeitet werden kann. Es hat eine lange Wirkdauer, so dass es in der bevorzugten Variante als Paste nur einmal am Tag verabreicht werden muss, was der Halter problemlos selbst vornehmen kann. Diät-Ergänzungsfuttermittel, zum Beispiel solches mit einem patentierten Pektin-Lecithin-Glycerin-Komplex, wirken der Übersäuerung des Mageninhalts nach Fütterung entgegen und hemmen den Rückfluss von Gallensäuren. Sie stärken zudem die natürliche Schleimhautschutzschicht im Magen. Zur Vorbeugung zeigt sich die prophylaktische Gabe von Omeprazol wirksam zur Verminderung der Häufigkeit und der Entstehung von Magengeschwüren, vor allem in Zeiten erhöhter Belastung.
 
Magengeschwüre vermeiden
Wichtig ist also die Optimierung des Fütterungsmanagements, des Trainings und der Haltungsbedingungen. Dazu gehören neben einer guten Futterqualität und Harmonisierung der Futterrationen ebenso ein schrittweises Heranführen an Umgewöhnung und Vermeidung von nervenzehrendem Stress bei Trainings- und Turniersituationen. 

 

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Das Plus der Öle
+ Deckung eines überdurchschnittlich hohen Energiebedarfs
+ Einsparung von Kohlenhydraten bei stoffwechselkranken
   oder gefährdeten Pferden
+ gezielte Zufuhr wertvoller Inhaltstoffe wie fettlöslicher Vitamine
   (Vitamin E), Lecithin oder ungesättigter Fettsäuren
+ positiver Einfluss auf Hautgesundheit und Fellglanz
+ Staubbindung (gerade für allergiekranke Pferde von Bedeutung)
+ antientzündliche Wirkung bestimmter Öle
 
 
Tiger im Tank:
Öle in der Pferdefütterung

In der menschlichen Ernährung ist nicht ganz klar, wer das schlechteste Image hat: Zucker oder Fett? Sicher ist allenfalls, dass zahlreiche Menschen zu viel davon zu sich nehmen und in der Folge gesundheitliche Probleme entwickeln können. Auch in der Pferdefütterung bemüht man sich um eine bedarfsgerechte Gestaltung der Energiezufuhr, denn hier wie dort gilt: Die Dosis macht das Gift. Zu viel Zucker, zu viel Fett, eine Energiezufuhr über den Bedarf hinaus, das schädigt langfristig nachweislich die Gesundheit und stört das Wohlbefinden. Dabei darf nicht übersehen werden, dass ein Zuwenig ebenso schädlich wäre. Insbesondere Öle können sich, richtig und überlegt eingesetzt, in der Rationsgestaltung als wertvolles Plus erweisen.
 
Pro Kilogramm liefern Eiweiße und Kohlenhydrate rein rechnerisch etwa dieselbe Menge an Energie, Fette doppelt so viel. Futteröle haben den großen Vorteil, dass sie sich pur verabreichen lassen, was ihre Zufuhr genau berechenbar macht. 
 
Rationen aufwerten
Im Leistungssport kann die Gesamtration mit Ölen aufgewertet werden, um eine Bereitstellung von hochwertigen Energieträgern ohne Umwege im Stoffwechsel zu gewährleisten und um einen Überschuss an Eiweißen und/oder Kohlenhydraten in der Gesamtration zu vermeiden. Auch ältere Pferde, deren Verdauungssystem nicht mehr so effektiv arbeitet sowie untergewichtige Rekonvaleszenten profitieren von Futterölen. Die Nutzung von Futterölen in der Rationsgestaltung empfiehlt sich zudem bei Pferden, deren Gesundheitszustand nach einer Einsparung leicht zu verstoffwechselnder Kohlenhydrate verlangt: Rehepatienten ganz allgemein, am Equinen Cushing Syndrom und/oder am Equinen Metabolischen Syndrom erkrankte Pferde brauchen für Grundumsatz und Arbeitsleistung selbstverständlich auch genügend Energie, sollten aber so wenig Zucker wie möglich erhalten – die Lösung ist eine weitgehende Deckung des Energiebedarfs über Öle, sofern die Raufuttergabe alleine nicht ausreicht. Futteröle werden zudem gerne als Tüpfelchen auf dem i einer überlegten Rationsgestaltung verwendet: Sie bringen Lecithine ein und sorgen so für mehr Fellglanz, versorgen den Organismus mit fettlöslichen Vitaminen und essentiellen Fettsäuren, machen die Krippenration schmackhaft und staubfrei.
 
Lagerung und Einsatz
Öle haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind leicht verderblich und somit nicht unbegrenzt lagerbar, das müssen Sie bei Ihrer Order unbedingt bedenken. Hier ist weniger also mehr! Kühl aufbewahrt, vor Sonnenlicht geschützt und in verschlossenen Behältern gelagert sind die Ölprodukte problemlos über mehrere Monate vor Verderb geschützt. Öle sind nur bei Raumtemperaturen etwa um 20 Grad flüssig und somit gut dosierbar, bei sinkenden Temperaturen können sie zähflüssig bis fest werden – im Winter ist ihr Platz also in einem entsprechend temperierten Raum.
 
Plus an Energie und Gesundheit
Während zur Deckung des Energiebedarfs eingesetzte Futteröle in Mengen bis etwa 300 oder gar 500 Milliliter täglich zugefüttert und hierzu oft eher preisgünstige Produkte vom Typ „Salatöl“ aus dem Discounter verwendet werden – alleine aus Kostengründen –, kommen für andere Zwecke hochwertige Öle in geringerer Dosierung zum Einsatz. Als Futteröle mit Gesundheitswirkung werden beispielsweise Leinöl, Lachsöl, Reiskeimöl oder Schwarzkümmelöl eingesetzt, auch Mischungen sind auf dem Markt. Pro Kilogramm liefern Eiweiße und Kohlenhydrate rein rechnerisch etwa dieselbe Menge an Energie, Fette doppelt so viel. Futteröle haben den großen Vorteil, dass sie sich pur verabreichen lassen, was ihre Zufuhr genau berechenbar macht. 

 

© www.bb-equipment.de

Kluge Automaten
„Das Auge des Herrn füttert mit“, so lautet ein Fütterungssatz, der gern zitiert wird, wenn man überlegt, die Fütterung durch moderne Fütterungstechnik zu ersetzen. Dieser Spruch ist allerdings kein stichhaltiges Argument gegen Automatismus in der Pferdefütterung – die Automaten werden von Menschen programmiert, befüllt, kontrolliert – immer das Pferd im Blick. Hinzu kommt: Das Pferd wird gemistet, eingestreut, zur Weide gebracht, geputzt, geritten, betüddelt... Sie können also mit gutem Gewissen Automaten entweder selbst vertreiben, oder im Networking mit einem Stallausstatter empfehlen. Computergesteuerte Fütterungsanlagen sind ab circa 550 bis 1.500 Euro pro Pferd und Box zu haben und können von Hafer bis Müsli meist mit jeder Futtersorte befüllt werden. In einem Steuergerät vor jeder Box oder zentral per App auf dem Computer oder dem mobilen Gerät wird dabei einprogrammiert, wann, wie oft und wie lange Futter ausgespuckt werden soll. So kann die Futterration dem natürlichen Fressbedürfnis der Pferde angepasst werden. Und: Da alle Mahlzeiten gleichzeitig serviert werden, gibt es beim Fressen weder Stress noch Neid. „Weil sie wissen, dass es bald wieder die nächste Ladung gibt, fressen die Pferde wesentlich langsamer“, hat Stallbauexperte Dieter Zumdick beobachtet. Und das wiederum bedeutet, dass in solchen Ställen, wo Fütterungsautomaten eingesetzt werden, auch wieder ordentlich gekaut wird. „Weil die Tiere sich Zeit lassen, kann sogar ungequetschter Hafer verfüttert werden – und das ist so ziemlich die beste Zahnpflege, die man sich vorstellen kann“, so Zumdick. Pro Futtergang spendiert der Futterautomat zwischen 300 bis 1.000 Gramm Kraftfutter. Das schont den Verdauungsapparat der Tiere und hält sie jederzeit einsatzbereit. So muss nach dem Füttern nicht eine Stunde vergehen, bis mit dem Training begonnen werden kann. Aber die automatische Fütterung dient nicht nur der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Pferde, sie beschert auch dem Pferdehalter ein entspannteres Leben. Einmal mit bis zu zehn Kilogramm Futter befüllt, kann man auch mal eine Fütterung „vergessen“, schließlich brauchen die Automaten nur alle vier bis fünf Tage Nachschub.
 
Ein Chip bestimmt den Hunger
Neben computergesteuerten Futterautomaten für den Boxenstall gibt es auch halb- und vollautomatische Fütterungssysteme für den Offen- oder Laufstall. Dabei handelt es sich zumeist um chipgesteuerte Computer-Abruf-Fütterungs-System. Ab 2.000 Euro pro Pferd sind dies Anlagen jedoch relativ teuer. Alle Systeme haben dabei den gleichen Aufbau: Die Tiere betreten einen Stand, den ein elektrisches Tor vor Herdenkollegen verschließt. Ein Chip, der den Pferden unter die Haut eingepflanzt wird, oder an einem Halsriemen getragen wird, gibt ihren Kennungs-Code an einen Computer weiter, und sie erhalten die ihnen zugedachte Futterration. Nach dem Ende der Mahlzeit öffnet sich der Stand wieder. Dabei öffnen sich die Tore nur, wenn eine Futterabgabe auch geplant ist. Verlassen die Pferde den Stand nicht freiwillig, so hilft ein elektrischer Impuls auf die Sprünge. 
 

Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 8-9/2018


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