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Aufsaugen, abpolstern, zieren

Sie trennt den Sattel vom Pferderücken und doch sollte sie eine bestmögliche Verbindung der beiden garantieren: die Schabracke.

Foto: pixabay

 
Viele Kunden betrachten die Sattelunterlage primär unter modischen Gesichtspunkten, doch: In erster Linie ist die Schabracke dafür konzipiert, den Sattel vorm Pferdeschweiß zu schützen! „Im Grunde genommen könnte man einen Maßsattel auch direkt auf dem Pferderücken platzieren“, sagt Sattelmeister Frank Wohlhorn, der einst als jüngster Sattler Deutschlands seine Meisterprüfung ablegte und heute als gefragter Fachmann unterwegs ist. Er erklärt: Wenn der Sattel perfekt angepasst und das Pferd nach wie vor muskulär so in Form ist wie bei der Sattelanpassung, wäre eine Unterlage zum Abpolstern nicht nötig. Aber: Um das Leder vor Schweiß zu schützen, wird eine Unterlage gebraucht. „Das ist die eigentliche Funktion und aus dieser ergibt sich auch die erste Anforderung an eine gute Unterlage. Sie muss nämlich saugfähig sein. Vor den Aspekten Farbe, Form und Steppung steht immer das Material der Sattelunterlage im Vordergrund, das schweißabsorbierend und – damit kein Hitzestau entsteht – auch atmungsaktiv seien sollte. Die Schabracke ist also eine veritable Sport-Textilie!“


Polster und Puffer
Natürlich macht eine genügend dicke Schabracke bei Bedarf auch als Puffer Sinn: „Früher haben wir Schiefen im Pferdekörper, sowohl die Links-Rechts-Asymetrie oder auch die Schiefe von hinten nach vorne während des Wachstums, durch ein einseitiges Nachpolstern abgefangen. Heute empfehlen wir lieber veränderbare Schabracken, die mittels Memo-Schaum oder Einschubfächern ein punktuelles Abpolstern und einen Ausgleich gewährleisten. Das ist viel besser für das Pferd, denn das einseitige Auffüllen der Sattelpolster führte immer auch zu Verhärtungen, die Druck auf den Rücken ausgeübt haben.“ Die stoßdämpfende Funktion einer Basis-Sattelunterlage, verbunden mit einem zusätzlichen kleinen Pad aus Gel oder Lammfell, unterstreicht Frank Wohlhorn auch für den Spring- und Vielseitigkeitssport: „Nicht immer kommt der Reiter nach dem Sprung optimal zum Sitzen. Bei einer unpassenden Distanz kann es schon mal passieren, dass der Reiter dem Pferd in den Rücken plumpst. Das fängt die Schabracken-Pad-Kombination soft ab. Last but not least ist eine Druckoptimierung des Sattels durch Sattelunterlagen auch dann erforderlich, wenn ein Sattel für mehrere Pferde genutzt wird und hier mögliche Passungenauigkeiten kompensiert werden müssen. Neben diesen wichtigen Funktionsaspekten einer Sattelunterlage ist sie für den Kunden ein viel beachtetes Stück Mode: In den jeweiligen Kollektionen bildet die Schabracke das modische Herzstück, an dem sich das Design von Decke, Bandagen, Fliegenohren und Co orientiert. Sie bestimmt den Look!“
Wussten Sie, dass Schabracken mit kleiner Steppung weniger schnell einlaufen als groß gesteppte? Die verziehen sich beim Waschen eher. Das ist doch mal ein echter Mehrwert in der Beratung! Vielen Dank, Frank Wohlhorn. www.reitsport-wohlhorn.de
 
Nachgefragt bei Sattelexperte Ralf Mönke
 
Wenn der Sattel perfekt angepasst ist, was empfehlen Sie dann für Unterlagen?
„Sattelunterlagen wie Schabracken und Satteldecken sollten ein festes Gewebe haben. Dies können Sie einfach testen, indem Sie die Schabracke hinstellen und sie nicht zusammenfällt. Diese Art der Schabracken verteilt die Last des Reiters und des Sattels besser auf die gesamte Sattellage und dient somit der Entlastung des Pferderückens, ohne den Sattel weit vom Pferd zu heben. Wir verzichten weitgehend auf Ausgleichspads in jeder Form. Natürlich gibt es, wie im wahren Leben, auch immer Situationen, wo ein Pad eine vorübergehende sinnvolle Ergänzung sein kann. Grundsätzlich sollte ein Sattel aber ohne Hilfsmittel liegen.“
 
Sättel, die nicht optimal passen, möglicherweise, weil sie für mehrere Pferde genutzt werden müssen, können durch welche Unterlagen einigermaßen passend gemacht werden?
„Sättel sollten nie durch Pads oder Unterlagen ‚passend‛ gemacht werden. Ein Profi, der viele Pferde mit ‚seinem‛ Sattel reitet, hat eigentlich mehrere Satteltypen damit er verschiedene Oberlinien und Breiten abdecken kann. Das ‚Feintuning‛ kann in diesem Fall über Sattelunterlagen verbessert werden. Hierbei sollte aber die langfristige Ausbildung und Gesunderhaltung des Pferdes im Vordergrund stehen. Ausgleichspads sind auch in solchen Situationen keine Dauerlösung.“
Vielen Dank, Ralf Mönke! www.reitsport-froelich.de 

 
Gesundes für Zwischendrin
„Neben den herkömmlichen Satteldecken und Schabracken gibt es auch noch funktionelle Sattelunterlagen wie beispielsweise Sattelpads und spezielle Schabracken mit Korrekturmöglichkeiten und muskelentspannender Wirkung, die man zusätzlich oder alleine verwenden kann. Diese gibt es in den verschiedensten Materialien: Lammfell, Keramikstoff, Gel, Memoryschaum, Zellkautschuk, Filz oder Baumwolle kommen hier häufig zum Einsatz. Meistens werden Korrekturpads verwendet, um Veränderungen in der Sattellage ohne Sattelanpassung auszugleichen.
 
Optimal anpassen
Vorgeformte Korrekturpads – beispielsweise Modelle, die hinten etwas höher sind, damit der Sattel wieder waagrecht liegt – können den Veränderungen des Rückens beziehungsweise der Sattellage nicht flexibel angepasst werden. Diese kann man nur gezielt bei dem dafür vorgesehenen Einsatz verwenden. Ist das Problem beseitigt, verschwindet ein solches Produkt im Schrank. Optimal sind also Korrekturpads mit verschiedenen Einschubtaschen, so dass man die erforderliche Korrektur immer angepasst an das Problem vornehmen kann. Dafür sollte das Korrekturpad immer mindestens zwei, am besten drei Einschubtaschen haben, welche die gesamte Länge des Pads abdecken.
 
Korrektur mit Keramik
Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich zu den manuellen Korrekturmöglichkeiten noch die Ausstattung mit Keramikstoff, wodurch sich Muskelspannung spürbar schneller reduziert und die Pferde rascher und nachhaltiger loslassen können. Diese Wirkung, die ja den Reiter nachhaltig immer unterstützt, ist unabhängig von der manuellen Korrekturmöglichkeit und kann das ganze Jahr genutzt werden. Es wird hierbei keine Wärme gestaut oder zusätzlich erzeugt und ist daher auch unabhängig von Außentemperaturen. Gerade bei starker Belastung durch Training, auf Distanz- und Wanderritten sollten Gesundheitspads verwendet werden, da die Muskulatur optimaler belastet wird und mit dem Keramikstoff sogar leistungsfähiger wird und sich somit auch die Regenerierung verkürzt.“
 
So ist sie, die perfekte Gesundheitsunterlage
> Atmungsaktiv
> Passform: hochgezogen für viel Widerristfreiheit, breiter Wirbelkanal, Sattelkissen komplett aufliegend
> Formstabil, auch bei ständigem Gebrauch
> Pflegeleicht (schnell wieder trocken, gut waschbar)
> Ideal ist eine Kombination aus Korrekturmöglichkeit zusammen mit der muskelentspannenden Wirkung.
 
Fünf Gründe, die die Sattellage verändern
> Verschiedene Wachstumsphasen bei jungen Pferden
> Gebäudebedingte Probleme in der Sattellage
> Unterschiedlich entwickelte Muskulatur
> Aufbau der Muskulatur nach einer Trainingspause
> Ein Sattel wird für mehrere Pferde verwendet
Vielen Dank, Claudia Jung, Geschäftsführerin der Firma CeraTex,
Hersteller von Infrarot-Textilien. www.ceratex.de 

 
Schabracken made in Germany

 
Welches sind eigentlich die Unterschiede zwischen Pad, Schabracke und Unterlage?
„Bei uns wird der Begriff Sattelunterlage als Überbegriff verwendet, welcher weiter in Schabracke und Satteldecke unterteilt wird. Diese unterscheiden sich in der Form (zum Beispiel Dressur, Springen, Vielseitigkeit) und können vom Kunden individuell gewählt werden. Der Begriff Pad beschreibt Sattel-Pads, die zur Korrektur oder zur zusätzlichen Polsterung zwischen Sattel und Sattelunterlage verwendet werden. Hierbei gibt es unterschiedlichste Ausführungen, die jeweils spezielle Eigenschaften erfüllen, wie beispielsweise Korrekturen der Sattelposition, die Abfederung von Stößen oder eine ergonomische Anpassung.“
 
Was zeichnet eine wirklich hochwertige Sattelunterlage aus?
„Eine gutsitzende, möglichst ergonomische Passform und das schönes Design. Dabei spielen die hohe Qualität der Materialien und die gute Verarbeitung der Produkte eine wichtige Rolle. Die unterschiedlichen Steppmuster und verschiedene Dicken der Sattelunterlagen sind abhängig vom Einsatzgebiet sowie aktuellem Trend.“
 
Gibt es etwas, was für Ihre Schabracken ganz typisch ist?
„Eine typische Equest-Schabracke zeichnet sich durch Individualität in Kombination mit Qualität ‚Made in Germany‛ aus. Durch die hauseigene Produktion haben wir Einfluss auf alle Materialbestandteile und Produktionsabläufe, um unserem hohen Qualitätsstandard gerecht zu werden. Wir sind zudem sehr flexibel in der Herstellung und können besonders auf die Wünsche und Vorstellungen der Kunden eingehen. Das Thema ‚Customised Products‛ spielt somit eine große Rolle. Egal ob Halfter, Stricke, Decken oder Sattelunterlagen, die Produkte können individuell auf ihren Stil angepasst werden.“ Vielen Dank, Christina Rubat, Equest! www.equest-online.de
 

Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 8-9/2018


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