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Beinhart – diese Produkte halten Hufe heil!

Mit oder ohne Eisen – das ist schon längst nicht mehr die Frage: Die wenigsten Pferde, die intensiv gearbeitet und viel ausgeritten werden, kommen ohne Hufschutz aus. Ein zu starker Abrieb bringt den natürlichen Hornschuh schnell an seine Grenzen. Hier hält der Markt von leichten Kunststoff­beschlägen über selbst montierbaren Huf-Schutz zum Anklippen oder -kletten bis hin zum kompletten Pferdeschuh zum einfachen Überstreifen hoch interessante Produkte bereit und zeigt sich in Sachen Materialien, Formen und Fixierungen durchaus ideenreich. Welche Beschlagsalter­nativen Sie mit gutem Gewissen empfehlen und beraten können und welche Modelle Sie gar nicht erst ins Regal stellen sollten, lesen Sie hier.

© Sai Sai_Pixabay

Leichte Leisetreter
Nein, Sie müssen nun nicht die gesamte Ausstat­­tung einer gut sortierten Hufbeschlagschmiede in Ihren Regalen aufbauen. Aber: Bescheid zu wissen über die Vorteile von Kunststoff- oder Eisenbeschlag, das kann nicht schaden: Es müssen nicht immer die klassischen Eisen sein, die die Hufe der Pferde vor zu viel Abrieb schützen. 
Gut zu Fuß sind Pferde auch dank leichtem Kunststoffbeschlag, den es in diversen Formen, Profilen und Härtegraden gibt. Zumindest die Pferde, die über eine gute Hornqualität und gesunde Hufe an sich verfügen. Auch sollten sie eine relativ „gängige“ Form haben, denn der Anpassungsfähigkeit von Kunststoffeisen sind Grenzen gesetzt. Sehr breite Hufe und Hufe von Pferden mit besonders hohem Gewicht eignen sich nicht unbedingt, um einen Kunststoffbeschlag aufzu­bringen. Intensiv genutzte Kaltblüter also laufen besser auf stabilen Eisen, Freizeit-, Wanderreit- und Distanzpferde oder auch leichte Fahrpferde kommen mit dem flexibleren Beschlag gut klar und zeigen ein lockeres Laufverhalten.

Vorteile des Kunststoffbeschlags

Dazu gehört unter anderem, dass der Hufmecha­nismus weitestgehend erhalten bleibt, dass der Strahl beim Auf­fußen durchblutet wird und dass sie besonders gute stoßdämpfende Eigenschaften zeigen. Die Hufe haben so beschlagen mehr Grip auf der Straße und sind weniger verletzungsge­fähr­lich – sowohl beim Streifen der Gliedmaßen als auch beim Schlagabtausch beispielsweise in Gruppenhaltung. 

Welche Nachteile hat er?

Dass die Pferde bei der Umstellung vom Eisen- zum Kunststoffbeschlag zunächst empfindlich reagieren, gehört zu den temporären Nachteilen. Der vergleichsweise hohe Preis, die knifflige Pflege des Hufes und die schlechtere Haltbarkeit der Nägel müssen ebenfalls angesprochen werden. Manche der Kunststoffvarianten werden nicht aufgeschlagen, sondern angeklebt. 

Gerüchteküche  

Dass die Kunststoffbeschläge durch vermehrten Abrieb vergleichsweise schneller verschleißen, ist übrigens ein längst widerlegtes Gerücht. Das Gegenteil ist der Fall. Eisen wird schneller fadenscheinig und muss getauscht werden.

Kunden kommen in die Puschen

Nicht nur Hufschuhe, sondern auch Hufschutz aus Kunststoff gibt es teilweise zur Selbstmontage. Manche Reiter sind hochgradig motiviert und avancieren zum Hobbyschmied. Sie nehmen Maß, ordern Modelle, passen an, schneiden zurecht und kleben auf. Vom Kunststoff-„Eisen“ über die Werkzeuge zum Zuschneiden bis hin zum starken Kleber können Sie hier einiges an Zubehör ins Sortiment aufnehmen.

© www.hoofboot-academy.com

 

It‘s all about shoes

Welche Hufschuhe Sie unbedingt in Ihrem Sortiment haben sollten, worauf Sie bei der Beratung achten müssen und was es an nützlichem Zubehör rund um den mobilen Hufschutz gibt, das haben wir gemeinsam mit Hufschuh-Experte Bernd Jung für Sie zusammengestellt.
Ein Hufschuh ist ein temporärer Schutz der Hufe. Seine Einsatzgebiete sind vor allem beim Reiten im Gelände, wenn der Huf vor zu viel Abrieb geschützt werden muss. Jedoch sind die Einsatzmöglichkeiten größer und können ebenso die Sparten Therapie, Fahren und Dressur abdecken.

Die Vorteile von Hufschuhen:

  • Auf Dauer sind Hufschuhe und regelmäßige Barhufbearbeitung günstiger als Beschlag.
  • Hervorragende Unterstützung bei der Umstellung von Beschlag auf Barhuf.
  • Der natürliche Tastsinn bleibt für das Pferd erhalten.
  • Sie sind leichter als Hufeisen.
  • Guter bis sehr guter Grip der neueren Hufschuhmodelle.
  • Sie können bei Bedarf mit Stiften oder Stollen und Pads ausgerüstet werden.
  • Hervorragende Dämpfung der meisten Modelle.
  • Unterstützung des Hufmechanismus (besonders EVO, Floating, All Terrain).
  • Barhuf ist natürlich – somit wird nur beim Ausreiten ein temporärer Hufschutz verwendet und das Pferd läuft im Paddock und auf der Weide barhuf.
  • Die Haltbarkeit liegt durchschnittlich bei eineinhalb bis drei Jahren (je nach Gewicht des Pferdes, Laufverhalten, Untergrund, Gangarten, Dauer und Häufigkeit der Ritte).
  • Einsatz von Therapie- und Klebeschuhen bei verschiedenen Hufkrankheiten wie Hufrehe, Strahlbeinlahmheit, Hufgeschwür.

HUFCHECK-Inhaber Bernd Jung verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Beratung und Vermarktung von Hufschuhen. Von ihm können Sie viel lernen: Ob in der Hufschuh-Fibel, in weiteren eBooks oder in Seminaren (als Video oder vor Ort) – der Fachmann vermittelt alles Wissenswerte rund ums Thema Hufschuhe. www.hufcheck.de 
 
 

© www.hufcheck.de

Sechs Fragen an Hufexperte Bernd Jung
 
Sollte ein gut sortiertes Fachgeschäft Hufschuhe vertreiben oder ist das Basiswissen, das für Beratung und Verkauf relevant ist, so hoch, dass dieser Hufschutz nur von Hufschmieden/-pflegern oder Herstellern solcher Schuhe verkauft werden sollte?
 
B. J.: „Ein Basiswissen über Hufschuhe ist eine Grundvoraussetzung, um diese Produkte zu verkaufen. Wenn sich das Personal gut mit Hufen und Hufschuhen auskennt, spricht allerdings nichts gegen den Verkauf in einem Fachgeschäft. Ideal sind Anproben vor Ort.“
 
Gibt es Grundmodelle bei den Hufschuhen?
 
B. J.: „Es gibt Schuhe, die nur das Harthorn be­decken, und es gibt Schuhe, die über den Kronrand gehen (‚integral boots‘). Für die Umstellungs­phase von Eisen auf Barhuf finden ‚integral boots‘ vermehrt ihre Anwendung. Für Distanzritte oder auch im Dressurreiten sind Schuhe besser geeignet, die nur das Harthorn bedecken. Allerdings gilt immer: In erster Linie muss der Schuh passen! Eine Ausnahme stellt noch der Turniersport dar. Hier dürfen laut FN-Verordnung nur Schuhe verwendet werden, die nicht über den Kronrand gehen.“
 
Was zeichnet hochwertige Hufschuhe aus (Material, Verarbeitung oder ähnliches)? 
Also wie erkennt ein Fachhändler bei der Order hochwertige Produkte und auf welche Qualitätsmerkmale kann er später im Verkauf abheben?
 
B. J.: „Es gibt etliche Hersteller, die sich mit ihren Modellen auf dem Markt etabliert haben. Bei Hufschuhen, die es schon lange auf dem Markt gibt, kann man davon ausgehen, dass sich diese auch bewährt haben. Handling, Material und Verarbeitung sind hier in der Regel sehr gut. Ein Grundverständnis von den Funktionsweisen der einzelnen Schuhmodelle ist jedoch zwingend erforderlich. Ein Schuh, der sich bei vielen Pferden schon als funktional herausgestellt hat, wird trotzdem nicht auf jedem Huf funktionieren. Das Material von verschiedenen Hufschuh­mo­dellen ist auch sehr unterschiedlich. Die Ma­terialien reichen von Stoff über Hartplastik bis zu thermoplastischen Materialien. Dabei gibt es kein besser oder schlechter.“
 
Gibt es bei den Schuhen verschiedene Verschlussmöglichkeiten? Also gibt es welche, die leicht vom Kunden anzu­bringen sind, aber vielleicht nicht super halten? Gibt es welche, die möglicherweise nur vom Fachmann aufzubringen sind?

B. J.: „Das Handling ist eine sehr individuelle Ansichtssache vom Kunden selbst. Deshalb sind Anproben vor Ort ideal. Hier kann der Kunde die Verschlüsse ausprobieren, beziehungsweise es kann gezeigt werden, wie die Verschlusssysteme funktionieren. Grundsätzlich sind (die gängigen) Hufschuhe jedoch so konzipiert, dass sie problemlos vom Kunden angebracht werden können. Der Verkäufer sollte mit den Verschlusssystemen so vertraut sein, dass er sie dem Kunden problemlos erklären kann.“
 
Ein schlechtsitzender und falsch ausgewählter Hufschuh stellt den Kunden (samt Pferd) dann vor welche Problematik?

B. J.: „Schlecht sitzende Hufschuhe führen zu Druck- und Scheuerstellen. Außerdem halten sie nicht wie gewünscht am Huf und können leicht verloren werden.“
 
Welche Fakten muss ein Verkäufer beim Kunden abfragen, um den perfekten Hufschuh zu verkaufen? Oder sollte es eine Art Anprobe vor Ort geben?

B. J.: „Eine professionelle Anprobe vor Ort ist natürlich der Idealfall. Bei Anproben vor Ort können schnell das richtige Modell und auch die richtige Größe ermittelt werden. Der Kunde kann die Verschlusssysteme selbst ausprobieren, es kann erklärt werden, wie die Schuhe angelegt werden und das Laufverhalten des Pferdes kann betrachtet werden. Bei dem Verkauf aus Distanz sollte mit Bildern der Hufe gearbeitet werden. Der Vorteil von Bildern ist, dass hier weniger Informationen verlorengehen beziehungsweise verfälscht werden. Reiter können die Hufe ihrer Pferde oft nicht so einschätzen, wie es jedoch für eine Beratung für Hufschuhe notwendig ist. Die Bilder müssen je­doch auch aus dem richtigen Winkel aufgenommen sein. Wandverläufe und Trachtenhöhen müssen erkennbar sein.“
 
Sieben Hufschuh-Prinzipien
 
Bernd Jung hat für die Ermittlung des richtigen Hufschuhs die sieben Hufschuhe-Prinzipien entwickelt. Dabei ist es egal, ob die Beratung vor Ort oder aus Distanz stattfindet. Wichtig ist außerdem die Einhaltung der Reihenfolge.
 
1. Hufsymmetrie | 2. Wandverlauf | 3. Zehenwinkel | 4. Trachtenlänge/-höhe und Position | 5. Hufmaße | 6. Laufverhalten | 7. Handling 

Detailliertere Beschreibungen zu den sieben Hufschuhe-Prinzipien gibt es hier: www.hoofboot-academy.com 
 
Veröffentlichung in der Ausgabe 8/2020 

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