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Gutes in Maßen

Tütchen, Tiegel, Plastiktöpfe durchstreift man die Futtermittelregale im Reitsportfachhandel, fühlt der Kunde sich nicht selten wie in einer Apotheke. Und: Er fühlt sich zumeist hoffnungslos überfordert. Ist schon die Basisfütterung des Pferdes — egal ob Hobbyross oder Sportpartner — heutzutage eine Kunst für sich, ist man nämlich spätestens bei der Zufütterung von Ergänzungsfuttermitteln wie Mineralfutter oder Diätfuttermitteln ohne hippologisches Ökotrophologie-Studium gänzlich aufgeschmissen. HIPPO liefert: Die einfache Lösung, denn weniger ist mehr!

© Rambold Heiner_Pixabay

Wir füttern unsere Pferde nicht nur satt, sondern im besten Fall auch fit, vital, leistungsbereit und glücklich. Ob das allein mit gutem Heu, qualitätvollem Futterstroh und einem Basisfutter für die Krippe funktioniert, ist fraglich: Die intensive Nutzung der Pferde, die mangelnde Bewuchsvielfalt, die (zu geringen) Weideflächen und die häufig schlechte Güte des Raufutters führen nicht selten zu gravierenden Mangelerscheinungen. Um diese einerseits gezielt zu kompensieren, andererseits eine Überversorgung zu vermeiden, ist nicht nur viel Fingerspitzengefühl, sondern vor allem viel und profundes Fachwissen erforderlich. Genauso wie es in jedem guten Reit­sportfachhandel einen ausgebildeten Spezialisten für Sättel geben sollte, sollte ein Futter­mittelspezialist das Verkaufs­team komplettieren und die Ernährungsberatung für Vierbeiner übernehmen.
 

Bedarf richtig einschätzen

Ergänzungsfuttermittel sind – einfach gesagt – Ergänzung zu Grundfutter (Heu/Gras/Stroh) und Wasser. Es handelt sich um Futtermittel, die speziell auf das Zufüttern ausgerichtet sind. Sie schließen wichtige Nährstofflücken, die beispielsweise bei einer ausschließlichen Verfütterung von Getreide, Raufutter oder Grünfutter entstehen würden.
 
Gesunde, normal genutzte Pferde, die ausreichend Raufutter erhalten, benötigen als Ergänzung in der Regel nur ein Mineralfutter: Die meisten Pferde werden heute auf relativ kleinen Flächen gehalten. Das zwingt die Bauern zur intensiven Bewirtschaftung, auch der Heuwiesen, denn nur so können sie die benötigte Heumenge preisgünstig bereitstellen. Allerdings zum Nachteil der Pferde, denn die geringe Pflanzenvielfalt der Wiesen führt zu einer einseitigen Versorgung mit Nährstoffen. Das decken die Mineralfutter dann ab. Ein Ergänzungsfuttermittel (Krippenfutter) ist hier meist überflüssig, da der Bedarf an Energie und Protein über das Raufutter oder das Weidegras ausreichend abgedeckt wird.

© Rambold Heiner_Pixabay

Bei Pferden, die intensiver genutzt werden, reichen diese Gehalte meist nicht aus, dann sollte ein entsprechendes Krippenfutter zugegeben werden. Ein Ergänzungsfuttermittel sollte dem Bedarf des Pferdes angepasst werden. Hier muss der Kunde genau wissen, was sein Pferd benötigt. Wie ist die Arbeitsleistung des Pferdes, wie ist der Futterzustand und wie ist die Grundfutterqualität? All das sind Faktoren, die bei der Futterauswahl berücksichtigt werden sollten. Leider schätzen die meisten Reiter die Arbeitsleistung ihrer Pferde falsch ein, so dass oft über Bedarf gefüttert wird.
 
Leichte Arbeit entspricht in etwa:
30 Minuten Schritt
20 Minuten Trab
5 Minuten Galopp
oder ein Ausritt von einer bis zwei Stunden
 
Mittlere Arbeit entspricht in etwa:
20 Minuten Schritt
30 Minuten Trab
15 Minuten Galopp
 
Schwere Arbeit leisten etwa Distanzpferde, die für 120 Kilometer-Rennen trainiert werden Sport- und Zuchtpferde, Fohlen und Jungpferde und teilweise auch ältere Pferde benötigen auf jeden Fall ein Ergänzungsfuttermittel.
 
Bei vielen Ergänzungsfuttermitteln ist der Bedarf an wichtigen Nährstoffen schon mit einer Menge von 200 bis 300 Gramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tag abgedeckt. Wenn ein 600 Kilogramm schweres Pferd in leichter Arbeit von diesem Futter gut 1,5 Kilogramm pro Tag bekommt, muss hier kein Mineralfutter mehr zugegeben werden. Hier passieren leider die meisten Fehler in der Fütterung, denn oftmals wird zu diesem Futter noch ein Mineralfutter gegeben. Dann kommt noch ein Futter für den Muskelaufbau und noch Biotin hinzu. Bei so einer Fütterung sind die Pferde dann mit Vitaminen und Spurenelementen überversorgt. All das, was zu viel aufgenommen wird, muss auch wieder ausgeschieden werden. Das kann dann die Leber und auch die Nieren beeinträchtigen. Ein Pferd kommt mit einer marginalen Unterversorgung an Nährstoffen oft besser zurecht als mit einer Überversorgung.
 
Herzlichen Dank an Andrea Everding, Tierheilpraktikerin, Produktmanagement
und Futterberatung bei Eggersmann, www.eggersmann.info
 
Ergänzungsfutter – in ihrer Vielfalt kaum überschaubar
Zu den wichtigsten Ergänzungsfuttermitteln gehören Mineralfutter. Diese dienen überwiegend der Deckung des Mineralstoff- und Vitaminbedarfes. Sie enthalten neben Mengen- und Spuren­elementen auch Vitamine. Mineralstoffe sind Mikronährstoffe, die im Körper bestimmte Aufgaben erfüllen. Es sind Nahrungsbestandteile, die lebensnotwendig sind. Man unterscheidet hier grob zwischen den sogenannten Mengenelementen und Spurenelementen. Wie der Name schon sagt, benötigt der Körper reelle Mengen oder eben nur winzige Spuren von diesen Substanzen.
 
Diese Mineralstoffe braucht das Pferd:
Top-Sechs Mengenelemente: Magnesium, Kalium, Kalzium, Phosphor, Natrium und Chlorid Top-Vier Spurenelemente: Eisen, Kupfer, Zink und Selen
 
Regelmäßige Kontrolle
Das richtige Verhältnis von Mineralstoffgaben ist sehr komplex und schlussendlich noch nicht vollständig geklärt. Ihr Kunde sollte daher auf äußere Zeichen wie Veränderungen im Fell und im Temperament des Pferdes sowie im Futterzustand und den Zustand des Hufhorns achten. Schauen Sie Ihr Pferd mit offenen Augen an, es zeigt Ihnen grundsätzlich, ob es sich wohl fühlt und die Fütterung pferdegerecht ist oder nicht. Anhaltspunkte für eine falsche Fütterung gibt es reichlich – nehmen Sie diese wahr. Es ist ratsam, einmal jährlich eine Blutanalyse und, wenn möglich, eine Haaranalyse machen zu lassen, um dann gemeinsam mit dem Behandelnden das weitere Vorgehen zu besprechen.
 
 
Der Fall Rosi
Analysiert von Andrea Everding
Rosi ist eine 21-jährige Island Stute (Senior-/Spezialpferderasse) in Dauerrosse (stutig). Sie ist sehr schlank (schwerfuttrig), leidet unter Cushing (Stoffwechselproblematik) und wurde mehrfach von Hufrehe (ebenfalls Stoffwechselproblematik) heimgesucht. Jetzt im bevorstehenden Herbst (Jahreszeit/Fellwechsel) soll sie noch einmal für einen mittleren Distanzritt (sportliche Nutzung) fitgemacht werden. Rosi schlägt nach dem Schenkel (zickiger Charakter), ist aber auf der Weide in ihrer Herde rangnieder (gestresst, depressiv). „Für Rosi würde ich aufgrund ihrer Erkrankung mit dem Cushing und der Hufrehe zu einem getreidefreien Produkt raten. Bei Stoffwechselerkrankungen wird empfohlen, stärke- und zuckerreduziert zu füttern, um den Organismus zu entlasten. Auf Grund des Alters haben wir veränderte Nährstoffbedürfnisse zu berücksichtigen. Die verminderte Enzymproduktion im Magen-Darm-Trakt, sowie die nachlassende Darmmotorik erschweren eine optimale Nährstoffgewinnung. Die Verdauung und Speicherfähigkeit von Nährstoffen, insbesondere die von Eiweiß, aber auch die von vielen wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen verschlechtert sich.
 
Der Grundbedarf an den Vitaminen A, E und C und an den Spurenelementen Zink und Selen verdoppelt sich. Auf ein möglichst enges Calcium- Phosphor-Verhältnis von 1,5:1 bis 2:1 sollte geachtet werden. Zuviel Calcium kann bei älteren Pferden zur Bildung von Blasensteinen führen!

© Archivfoto

Für Rosi benötigen wir also ein hochvitaminiertes und mineralisiertes getreidefreies Futter mit einem höheren Anteil an Eiweiß und Energie, das einmal den erhöhten Bedarf an Nährstoffen abdeckt und zum anderen ausreichend Energie liefert, damit die Leistung für den Distanzritt vorhanden ist. Es gibt tatsächlich Ergänzungsfutter am Markt, die diesen Bedarf abdecken. Wenn man das nicht findet, würde ich ein normales getreidefreies Futter empfehlen, den Mehrbedarf an Vitaminen und Spurenelementen über ein spezielles Seniorenmineralfutter abdecken, für den erhöhten Energiebedarf ein kaltgepresstes Öl wie Mariendistel- oder Leinöl zugeben. Bezüglich der Dauerrosse und dem damit verbundenen zickigen Charakter kann man versuchen, mit Mönchspfeffer die Symptome zu verringern. Der Fellwechsel stellt eine zusätzliche Belastung dar, ein um 20 Prozent erhöhter Energiegehalt ist zu empfehlen. Heu ist das ideale Futtermittel, das in Wärme umgewandelt werden kann, ohne dass der Verdauungsapparat zu stark belastet wird. Deshalb sollte während der kalten Jahreszeit (sofern das Gebiss des Pferdes entsprechend gut ist) reichlich Heu gefüttert werden. Mengen von 1,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht, auf mehrere Mahlzeiten verteilt, sind empfehlenswert. Alternativ kann die gleiche Menge an Heucobs empfohlen werden.“
 
Sie sehen, wie komplex eine gute Beratung auf dem Sektor des Ergänzungsfutter sein sollte und wie sorgfältig analysiert und alles aufeinander abgestimmt werden muss!
 
 
Nachgefragt bei Constanze Röhm
Wie verbindlich/haftbar ist die Beratung von Ergänzungsfuttermitteln im Fachhandel?
„Eine Beratung muss nach allen Regeln der Kunst geschehen. Führt man als Händler eine Beratung durch, müssen die Empfehlungen stets validierbar sein. Hat man nicht genügend Fach- und Sachkenntnis, tut man gut daran, nicht zu beraten. Man ist als beratende Person für alle Aussagen und Empfehlungen in der Verantwortung und haftbar zu machen. Fachhändler haben oft viel Wissen über Pferdeernährung. Es ist aber im Alltag für den Fachhandel kaum möglich, permanent am Puls der Wissenschaft zu sein.“
 
Die Kombipräparate Coole Socke, Glanzstücke und Co – sind das Erleichterungen für den Handel, weil hier passende Präparate genau zusammengestellt sind, oder sind das teure Marketing-Produkte und man sollte als Fachhandel doch eher Einzelpräparate anbieten?
„Jedes Produkt ist dann gut, wenn es der Situation entsprechend notwendig ist. Das richtige Produkt zur richtigen Zeit ist Gold wert, unabhängig von Preis, Produktname oder Marketing. Ein geringer dosiertes Allroundprodukt birgt in diesen Fällen weniger Risiko als ein falsch eingesetztes Einzelpräparat.“
 
Wie hoch ist die Gefahr von einem Zuviel an Futtermittelergänzern?
„Eine Überdosierung mit Mineralien ist immer zu vermeiden. Im Bereich der Spurenelemente kann es zum Beispiel bei Selen schnell hochgiftig werden. Auch Jod, Kupfer und Kobalt (und viele andere Stoffe) können schnell überdosiert werden und damit schwerwiegende Folgen wie Koliken, Hufrehe und Leberversagen für das Pferd haben. Pferdebesitzer und auch Verkäufer müssen sich daher mit Rationsbilanzierung auskennen oder einen Fachmann befragen. Und zwar bevor Ergänzungsfuttermittel eingesetzt werden. Ist eine Ration von einem unabhängigen Fachmann erstellt worden, kann der Kunde zielgerichtet einkaufen und der Fachhandel verkaufen. Der Vorteil der unabhängigen Futterberatung für Kunden und Fachhandel ist, dass der Handel oft ähnliche oder gleichwertige Produkte unterschiedlicher Hersteller vertreibt und mit dem Kunden das passende aussuchen kann. So entsteht ein positives Ergebnis für alle Beteiligten: Das Pferd ist vernünftig ernährt und Besitzer und Fachhandel sind zufrieden. Der Fachhandel kann immer nur nach den Angaben und Fragestellungen des Käufers beraten. Das macht es oft schwierig für den Verkäufer, überhaupt eine sinnvolle Beratung zu machen, da er weder das Pferd kennt noch die Gesamtsituation.“ 
Constanze Röhm führt die größte unabhängige Beratung im Bereich Pferdeernährung. Die studierte Pferdewissenschaftlerin und Eignerin des Tierwissenschaftlichen Institutes lehrt in Seminaren die Grundlagen der Pferdeernährung, Trainingsphysiologie und Stoffwechselerkrankungen. Sie ist europaweit als Autorin und Dozentin von unzähligen Fachartikeln und Büchern bekannt.

 
Sagen Sie mal, Herr „Lekkerwürfel“...
Drei Fragen an Karl Klösters von Pharmaka
Wie hat sich der Markt an Ergänzungsfuttermitteln auf dem Pferdesportsektor in den letzten fünf Jahren gewandelt und wohin geht die weitere Entwicklung?
„Der Futtermittelmarkt hat sich in den letzten 25 Jahren stark gewandelt. Wurden früher Pferde meist ausschließlich von Heu und Hafer ernährt, so gilt heute eher eine getreidefreie Ernährung. Auch der Ergänzungsfuttermittelbereich hat einen Wandel erlebt. Heute werden viele Hauptfutter bereits mineralisiert und durch Vitaminzusätze ergänzt. Was uns aufgefallen ist, ist, dass Kunden sehr sensibilisiert im Bereich Melasse geworden sind. Diesen Standpunkt vertrete ich jedoch nicht, eines unserer Hauptprodukte ist auf Basis schwarzer Melasse und eines unserer besten Produkte. Besonders für laktierende Stuten, Sportpferde und auch nach Krankheit und Anstrengung wird dieses Produkt exzellent aufgenommen und hat so manchem Sportkameraden ein langes Leben beschert.“
 
Welche Futtermittelergänzer sind heutzutage besonders wichtig und sollten vom Fachhandel vertrieben werden?
„Besonders nachgefragt werden vom Fachhandel Selenprodukte, Magnesium und Biotin. Diese drei Hauptergänzer zeichnen sich durch eine hohe Bioverfügbarkeit aus und werden von den meisten Pferden gerne aufgenommen.“
 
Wie hoch ist die Gefahr bei dem für den Kunden schier unübersichtlichen Angebot, eine Überversorgung der Pferde zu riskieren?
„Unsere Meinung nach sehr hoch. Viel hilft in diesem Fall nicht viel. Dies sehe ich besonders im Leckerwürfelbereich. Hier wird von der breiten Masse möglichst günstig eingekauft. Aber genau hier liegt der Fehler. Qualität der eingesetzten Rohstoffe – kombiniert mit Fachwissen und besten Pressverfahren – machen ein gutes Ergänzungsfutter aus. Billig schadet dem Pferd.“
Besten Dank, Karl Klösters, Inhaber von pharmaka, www.pharmaka-essen.de

© Wolfang Rei_Pixabay

 
No-Go‘s:
Ergänzungsfuttermittel nach dem Gießkannen-Prinzip (viel hilft nicht immer viel – weniger ist häufig mehr). Bei Erkrankungen ohne Rücksprache mit dem Tierarzt Futterergänzer zufüttern.
 
Wechselwirkungen nicht beachten
Bei Mineralien und Vitaminen können gegenseitige Beeinflussungen und Wechselwirkungen bestehen. Etwa existiert eine enge Beziehung zwischen Vitamin E und Selen, ein Vitamin E-Mangel erhöht den Bedarf an Selen. Ebenso fördert Vitamin C die Aufnahme von Eisen, während die gleichzeitige Gabe von Calcium die Aufnahme vermindert.
 
Empfehlung für Ihre Kunden
Der Pferdedarm hat nur eine beschränkte Aufnahmekapazität pro Zeitintervall. Daher sollten Ergänzungs- und Mineralfuttermittel auf mehrere Tagesgaben aufgeteilt oder vorzugsweise am Abend gegeben werden, denn darauf folgt die längere Ruhezeit in der Nacht.
Vielen Dank, Eva Hahne, Ernährungsberatung & Produktmanagement bei equipergato, www.equipergato.de
 
Ergänzungsfutter- und Pflegemittel – Equipergato steht für eine individuell angepasste, bedarfsgerechte, biologisch hochwertige Nahrungsergänzung. Die in Obstbevern ansässige Firma bietet auch hochwertige Futterergänzer für Hunde und Katzen.

Das Unternehmen, die PHARMAKA GmbH & Co. KG, mit ihrer bekannten Marke HORSE-fitform®, widmet sich seit über 45 Jahren der Entwicklung und Herstellung ganzheitlicher und hochwertigster Produkte aus den Bereichen Pferdenahrung (Supplementation), Pferdepflege und Pflege von Reitsportzubehör.
 
Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 7/2019 

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