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Happy Hooves

Vom klassischen Huffett bis hin zum hochmodernen Hoof-Dressing – das Sortiment an Hufpflegemitteln ist breiter als der Huf eines Shirehorses nach einem Marathon(auft)ritt. Damit Ihre Kunden die Hornschuhe ihrer Pferde nicht nur auf Hochglanz bringen, sondern auch gesund pflegen, benötigen sie neben den passenden Präparaten Ihre Sachkunde.

Foto: © Ryan McGuire_Pixabay

Das Räumkommando
Das erste und wichtigste Ausrüstungsutensil bei der Hufpflege ist und bleibt: der Hufräumer oder -kratzer. Florian Ruff von Keralit formuliert: „So banal es klingt, das saubere Auskratzen der Hufe, besonders vor dem Reiten oder dem Koppelgang, ist enorm wichtig, da sonst der ammoniakhaltige Stallmist bis zum Abend in den Strahlfurchen und unterm Eisen bleibt, weder Licht, Luft noch Sand ans Horn gelangt und die hornzersetzenden Keime (Bakterien und Pilze in Symbiose) sich bestens vermehren.“
 

© MW_pixabay

Horn im Blick
Hufexperte Florian Ruff teilt den Huf in puncto Pflege grob in zwei Bereiche ein. Zum einen der obere Teil des Hufes: Hier kann insbesondere im Bereich des Kronsaums mit einem durchblutungsanregenden, wasserdurchlässigen Balsam gearbeitet werden. Diese Salbe sollte leicht einmassiert werden. So wird die Horn­bildung angeregt und das nachwachsende Horn elastisch gehalten. Beim unteren Teil des Hufhorns und der Hufunterseite steht das Verhindern des bakteriellen Befalls mit entsprechend einhergehenden Schädigungen des Hufes im Vordergrund (zum Beispiel White Line Disease). Es kommen Produkte zum Einsatz, die ein Milieu erzeugen, das das aggressive Umfeld (Mist und Urin) neutralisiert und das Horn stabilisiert. Huffestiger leistet dabei gute Dienste. Der Strahl sollte, wenn er schon befallen ist, sauber ausgeschnitten und dann täglich mit einem desinfizierenden Hufpflegepräparat behandelt werden.
 
Wasser Marsch
Es ist kein Geheimnis: Hufexperten und Hersteller von Hufpflegemitteln sind nicht immer derselben Ansicht. Denn dem Rat von Hufschmieden und Tierärzten, die Hufe im täglichen Gebrauch mit dem Feuchtigkeitsspender Nummer eins – nämlich Wasser – zu pflegen, Präparate wie Fette, Öle und Balsame eher sporadisch einzusetzen, steht eine ebenso breite wie bunte Produktpalette entgegen. Nichtsdestotrotz: Ohne (saubere) Feuchtigkeit geht es nicht.
Danke, Florian Ruff, Keralit, www.keralit.de

Hände weg vom Huflack!
„Von der Industrie würde ich mir wünschen, dass es nur noch emulgierende Produkte gibt, die dem Huf ermöglichen, Feuchtigkeit aufzunehmen, und dies nicht verhindern, wie es das normale Fett und Öl tun. Das macht zum Beispiel das Ballistol Animal hervorragend: Auf dem feuchten Huf aufgebracht emulgiert es und auf dem trockenen erlaubt es das Eindringen von Wasser. Das Schlimmste, was die Industrie auf den Markt gebracht hat, sind Huflacke mit und ohne Bling-Bling. Diese versiegeln den Huf und schlimmstenfalls schaden sie dem Horn und dem Schmied auch noch gesundheitlich durch ungesunde Inhaltsstoffe. Vom Handel würde ich mir mehr Fachkenntnis wünschen, um dem Kunden für die jeweilige Situation das beste Präparat empfehlen zu können. Durch die Vielfalt der Produkte der unterschiedlichen Hersteller blicken die Verkäufer nicht mehr durch und verkaufen oft das, woran sie am meisten verdienen. Was ja auch wirtschaftlich zu verstehen ist und auch legitim. Aber eine echte Beratung tut oft Not, ist aber leider nicht immer zu bekommen.“ 
Besten Dank, Hufbeschlagschmied Uwe Lukas, www.hufbeschlag-lukas.de

Natürliche Inhaltsstoffe sind Trumpf
Was hat sich in den letzten fünf Jahren auf dem Sektor der Hufpflegeprodukte verändert?
Christian Klös: „Im Bereich der Hufpflege tummeln sich immer mehr kleinere Hersteller,
deren Produkte und Inhaltsstoffe nicht immer klar definiert und dargestellt werden. Ein Huf-Öl gibt es mittlerweile von allen Herstellern, auch der integrierte Pinsel gehört heute zum Standard.“
 
Wie haben sich die Kundenwünsche in Sachen Hufpflege entwickelt?
Christian Klös: „Die Kundenwünsche liegen eindeutig im Bereich natürlicher Inhaltsstoffe, zudem zeigen sich die Kunden auch immer begeistert über einen integrierten Pinsel oder eine Bürste direkt am Produkt, denn jeder Reiter kennt verschmutzte Putzboxen. Eine schnelle Wirkung der Produkte bei speziellen Problemen ist auch immer wieder ein Kundenwunsch, da Zeit auch bei der Pferdepflege der begrenzte Faktor ist. Diesem Wunsch kann man als Hersteller aber nur bedingt nachkommen. Eine häufige (manchmal auch tägliche) Anwendung ist notwendig, um die Hufstruktur nachhaltig zu verbessern. Das klassische Huf-Fett oder Huf-Teer wird nicht mehr stark nachgefragt – da der Trend zu natürlichen Inhaltsstoffen geht.“
 
Welche Inhaltsstoffe gehören heutzutage einfach nicht mehr in ein Hufpflegeprä-parat? Welche sind neu hinzugekommen?
Christian Klös: „Mineralöl (Vaseline) sollte in heutigen Hufpflegeprodukten nicht mehr enthalten sein. Die Hufstruktur ist mikroskopisch betrachtet wie ein Schwamm aufgebaut – also offene Poren. Diese werden durch Vaseline und Mineralöle verschlossen. Der Huf kann also nicht atmen und die natürlichen Inhaltsstoffe (natürliche Öle und Wachse) können nicht in den Huf eindringen. Einen weiteren Inhaltsstoff, der häufig in Huffestiger-Produkten verwendet wird, Glutaraldehyd, kann man heute durch natürliche Inhaltsstoffe ersetzen. Im HUFLAB Huf Festiger von leovet wird Glutaraldehyd durch natürliche Inhaltsstoffe ersetzt. Hier verwenden wir Tanin aus der Eichenrinde und Rosskastanie, die tief in das Horn eindringen und es wieder verkleben und verkitten. Ein Ausbrechen der Hufe wird verhindert und der Hufabrieb vermindert.“
 
Was genau kann an einer Hufpflege nachhaltig sein?
Christian Klös: „Nachhaltigkeit ist in aller Munde – von den Inhaltsstoffen angefangen bis hin zu Entsorgung der Verpackung. Hier sehen wir uns als Hersteller in der Pflicht, diesen Anforderungen nach und nach Rechnung zu tragen. Bei der HUFLAB-Serie haben wir bereits durch den Verzicht auf Mineralöle und Parabene eine Antwort geliefert. In Sachen Verpackung arbeiten wir bereits seit einigen Monaten daran. Wie bei allen unseren Produktentwicklungen möchten wir hier dem Kunden Produkte anbieten, mit denen er nachhaltig Pferde pflegen kann. Hier bitten wir noch um etwas Geduld.“
 
Wird das Thema Nachhaltigkeit bei Hufpflegeprodukten von den Fachhändlern nachgefragt oder wünschten Sie sich hier mehr Interesse?
Christian Klös: „Derzeit wird dies von unseren Händlern in keinster Weise nachgefragt. Sicherlich liegt es daran, dass Pferdepflege im Reitsport-Fachhandel generell nicht so stark beobachtet wird wie beispielsweise die Reitsportbekleidung. Wir sind generell immer interessiert, die Händlermeinungen zu hören und darauf einzugehen, um Verbesserungen für alle zu erzielen.“
 
Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit zwischen Hufschmied und Hersteller/ Kunden?
Christian Klös: „Leider wird häufig von Hufschmieden geraten, den Huf gar nicht mit Produkten zu pflegen. Dies halten wir allerdings gerade bei Pferden mit anfälligen Hufen für bedenklich – da Hufpflege größeren Problemen vorbeugen kann.“
Herzlichen Dank, Christian Klös, leovet, www.leovet.de

 Ja zur nachhaltigen Hufpflege 
„Wir sind (meines Wissens nach) bisher der einzige Hersteller, der eine nach Naturkosmetik-Standard zertifizierte (und kontrollierte) Hufpflege anbietet. Dies ist eine bewusste Entscheidung unsererseits, da wir überzeugt sind, dass einige konventionelle Inhaltsstoffe (zum Beispiel synthetische Emulgatoren, mineralölbasierte Fette, synthetische Konservierer wie Glutaraldehyd) weder gut für den Huf noch für den Verwender sind und auf der Weide und in der Umwelt nichts zu suchen haben. Mineralölbasierte Fette (wie Vaseline) sind okklusiv, das heißt, sie wirken wie eine Barriere, welche verhindert, dass der Huf Flüssigkeit aufnehmen kann, und im Sommer zu Hufproblemen durch Trockenheit führen kann. Synthetische Stoffe sind schlechter abbaubar als natürliche und naturbasierte Substanzen.
 
Strenge Richtlinien
Nachhaltig bedeutet für uns auch, dass wir die Produkte von einem unabhängigen, externen Institut zertifizieren lassen. Das ist die Versicherung für den Anwender, dass nur natürliche Inhaltsstoffe und naturbasierte verarbeitet werden. Darüber hinaus dürfen keine genmanipulierten Inhaltsstoffe oder PEG-Emulgatoren eingesetzt werden. Den ganzen Umfang der Zertifizierung zu beschreiben, würde allerdings jetzt zu weit führen. Über die einzuhaltenen Kriterien des Nachhaltigkeitssiegels wird im Internet transparent informiert unter https://gfaw.eu/ncs. Unsere Produkte werden darüber hinaus schon seit über zwölf Jahren mit vorbildlichem Ökostrom von Greenpeace Energy hergestellt. Nachhaltig sind die Produkte auch durch die Sparsamkeit in der Anwendung. Das Thema Nachhaltigkeit hat immer eine gewisse Aktualität und wird gerne als modernes Verkaufsargument genutzt. Für uns ist es allerdings eine Herzensangelegenheit, da wir überzeugt sind, dass es wichtig ist, dass die Industrie dem Fachhandel umweltbewusste Alternativen anbietet. Die Nachfrage der Fachhändler hält sich teilweise noch in Grenzen, allerdings ist die Nachfrage der Endverbaucher sehr hoch. Viele konventionelle Produkte bestehen aus einem großen Anteil preiswerter Vaseline. Diese sorgt zwar für einen tollen Glanz, aber an sich kann der Huf wenig damit anfangen, da sie nicht in den Huf einziehen kann und die Hufe eher versiegelt. Dadurch kann bei falscher Anwendung zu wenig Feuchtigkeit in den Huf eindringen. Richtig wäre es, die Hufe im Sommer vor der Pflege zu wässern, was aber aus Unwissenheit und Bequemlichkeit leider oft unterbleibt. Leider gibt es bei konventionell hergestellten Pferdepflegeartikeln keine Verpflichtung zur Deklaration der Inhaltsstoffe. Daher weiß man auch nicht wirklich, was drin ist. Der Naturkosmetik-Standard NCP verpflichtet dagegen die Deklaration der Inhaltsstoffe durch die INCI-Deklaration (International Nomenklatur of Cosmetic Ingredients) – wie man sie von Kosmetika bereits kennt. Wir bieten bei unseren Produkten zusätzlich noch die deutsche (verständlichere) Inhaltsstoffdeklaration auf der Verpackung an. So weiß man zu 100 Prozent, was auf den Huf kommt.
 
Konzentriertes Sortiment
Wir haben Produkte für die tägliche und wöchentliche Hufpflege. Das ist zum einen unser Hufpflege Spray 4 in 1. Dieses besteht aus einer Wasserphase mit gelösten Nährstoffen wie zum Beispiel Keratin und einer Ölphase aus verschiedenen hochwertigen und vor allem dünnflüssigen Pflanzenölen. Da wir auch bewusst auf Emulgatoren ver-zichten, die diese beiden Phasen verbinden würden, muss das Produkt vor dem Auftragen kurz geschüttelt werden und wird dann einfach auf Huf, Strahl und Sohle aufgetragen. Durch das enthaltene Wasser erhält der Huf die im Sommer dringend erforderliche Feuchtigkeit. Die wasserlöslichen Wirkstoffe ziehen gut in den Huf ein und transportieren so die Öle besser in den Huf. Genau da, wo sie wirken sollen. Der Kronrandbalsam ist ein Produkt, welches als Intensivpflege wöchentlich auf den Kronrand aufgetragen wird und dafür sorgt, dass das Wachstum der Hufe ideal unterstützt wird. Durch die Kombination von Lorbeerblätter- und Lorbeerfruchtöl kann so das gesamte Spektrum der Lorbeerpflanze genutzt werden. Das enthaltene Lanolin (Wollwachs) pflegt den so wichtigen Übergang vom Bein zum Huf. Rizinusöl mit seiner guten Spreitfähigkeit unterstützt die Aufnahme der Öle in den Kronrand und der Huf kann optimal unterstützt nachwachsen. Ein Spezialprodukt von uns ist das Fessel-Fit. Auch dieses Produkt ist nach dem Naturkosmetik-Standard NCP zertifiziert. Es besteht aus hochwertigem Wollwachs als Nässeschutz sowie einem Mineralkomplex, Teebaumöl und Calendula-Extrakt, welche die Therapie von Mauke ideal unterstützen.“
Vielen Dank, Nikolai Piefel, MM-Cosmetic, www.mm-cosmetic.com
 
 
Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 5/2019 

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