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Infos unter die Lupe nehmen

Die Warenkennzeichnung ist zwar kein Buch mit sieben Siegeln – ganz einfach zu gestalten ist sie hingegen nicht. Schließlich muss bei dem Kleingedruckten ein Kompromiss zwischen den verständlichen Ansprüchen der Tierhalter an eine möglichst umfassende und transparente Kennzeichnung einerseits und dem Schutz des Knowhows der Hersteller andererseits gefunden werden: Die Warenkennzeichnung muss nicht nur den Kunden informieren, sondern auch mit Normen und gesetzlichen Bestimmungen konform sein. Die zu kennzeichnenden Waren unterliegen oftmals unterschiedlichen Erfordernissen. Je nach Standort und Lagerung sowie in Abhängigkeit des Produktes und dessen Inhaltsstoffe sind unterschiedliche Anforderungen an die Kennzeichnung im Einzelhandel gestellt.


Futtermittel – kein Claiming
Die Kennzeichnung von Futtermitteln – egal ob Einzelfutter, Mineralfutter, andere Ergänzungsfutter oder Alleinfutter – ist ohne Frage ein wesentlicher Bestandteil der Informationsvermittlung an die Tierhalter. Die gesetzlichen Vorgaben hierzu findet man in der Verordnung (EG) Nr.: 767/2009 – „Inverkehrbringen von Futtermitteln“. Das Kapitel 4 regelt hier die Kennzeichnung, Aufmachung und Verpackung. Im Anhang 6 Kapitel II geht es um die Kennzeichnung der analytischen Bestandteile.
Informiert werden muss generell über: bestimmte qualitätsbestimmende Parameter Einsatzzwecke (bis hin zu Diätfuttermitteln) Verwendungshinweise maßgebliche Einzelheiten zur Rückverfolgbarkeit der Futtermittel im Falle einer Beanstandung  die Dauer der Haltbarkeit und gegebenenfalls über spezielle Lagerungshinweise 
 
Darüber hinaus wird informiert über:
Die ernährungsphysiologisch entscheidenden Eigenschaften eines Futtermittels, die am besten durch die Angabe der sogenannten Rohnährstoffe (Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche) und verschiedener wichtiger Mineralstoffe und Aminosäuren charakterisiert werden. Ergänzend kann auf freiwilliger Basis der Energiegehalt angegeben werden. Von besonderer Bedeutung sind darüber hinaus die Angaben zu Futtermittelzusatzstoffen, die verbindlich zu erfolgen haben. So sind alle Zusatzstoffe mit einem verbindlich geregelten Höchstgehalt im Futtermittel anzugeben. Darüber hinaus sind alle sogenannten zootechnischen Futtermittelzusatzstoffe anzugeben. Die Zusammensetzung der Mischfutter nach Einzelfuttermitteln ist verbindlich mindestens in absteigender Reihenfolge ohne Angabe der Mengen beziehungsweise der prozentualen Anteile zu kennzeichnen, es sei denn bestimmte Bestandteile werden besonders hervorgehoben. Gleichzeitig ist die Angabe der prozentualen Gehalte aber erlaubt und kann vom Hersteller offengelegt werden. Sie muss sogar – in bestimmten Grenzen – offengelegt werden, wenn ein Tierhalter dies wünscht und der Anspruch auf Schutz des Know-hows nicht massiv beeinträchtigt wird.

Große Sorgfalt
„Die Kennzeichnung von Produkten ist für die Hersteller ein enormer Aufwand, denn es gibt hier immer wieder Änderungen in den Vorschriften. Diese Kennzeichnung ist zwar europaweit geregelt, aber es gibt viele Unterschiede beispielsweise hinsichtlich der Etikettierungsvorschriften. Außerdem muss die Kennzeichnung ja auch landessprachlich angepasst werden. Wir stellen bei uns zwischen 40 und 50 Produkte her und beschäftigen einen Mitarbeiter, der sich nur um die korrekte Warenkennzeichnung kümmert. Ich finde aber, diese Akkuratesse in der Kennzeichnung hat ihre Berechtigung!“ Christian Klös, Marketingmanagement leovet, www.leovet.de 
 
Weniger ist mehr
Der Kunde ist zunehmend für die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz sensibilisiert. Deshalb ist häufig nicht nur der Inhalt, sondern vielmehr das „Nicht-Enthaltene“ für die Kaufentscheidung relevant! Dazu gehören Stoffe wie Vaseline, Parabene oder Mineralöle. Auch Glycerin ist ein Stoff, der nicht immer gerne akzeptiert wird.

Nachgefragt bei Claus Zobel
Werbeversprechen sind bei der Kennzeichnung von Futtermitteln streng verboten. Dennoch gibt die Aufbereitung und Kombination der Inhaltsstoffe gut informierten Verkäufern wichtige Auskünfte fürs Beratungsgespräch.

Wie kann der Verkäufer anhand der Kennzeichnung besondere Qualität erkennen?
Claus Zobel: „Beispiel Zusatzstoffe: Ein Produkt ist hochwertiger, wenn beispielsweise Zink als Aminosäure Zink-Chelat vorliegt. Denn so ist das eine organische Verbindung – und damit höher verfügbar. Das dürfen wir als Hersteller nicht explizit auf der Kennung erwähnen – das muss der Verkäufer wissen. Gleiches gilt für Mangan als Aminosäure Mangan-Chelat oder auch Eisenaminosäurechelat.“
 
Gibt es beim Müsli verdeckte Hinweise auf besondere Güte?
Claus Zobel: „Wenn die Ingredenzien behandelt, getoastet oder aufgeschlossen sind, ist das solch ein Hinweis. Wenn also nicht einfach nur Mais oder Leinsaat aufgeführt werden, sondern wenn in der Kennzeichnung steht: Maisflocke, Mais – aufgeschlossen oder Leinsaat – (hydro-) thermisch aufgeschlossen. Zudem sind Hinweise wie mechanischer Aufschluss oder hydrothermischer Aufschluss aussagekräftig. Hier ist die hydrothermische Variante sicherlich hochwertiger, denn sie ist durch den Einsatz von Wasserdampf hygienischer.“
 
In welchen Infos der Kennzeichnung von Pellets verbirgt sich ein Gütenachweis?
Claus Zobel: „Einen guten Sport-Pellet erkennt man daran, dass das Getreide vorne in der
Deklaration steht und die Kleien weiter hinten – die bringen nämlich eher Faser als Energie.“ Dipl. Ing. Agrar Claus Zobel ist Futtermittelberater bei Derby.

Foto: pixabay


Pflegeprodukte – viele Vorschriften
Das, was beispielsweise allein im groß gefassten Bereich Pflegeprodukte an Informationen verbindlich auf der Ware deklariert werden muss, ist – abhängig von der jeweiligen Produktgruppe – klar und streng geregelt. So bestimmt die Biozid-Verordnung die Informationspflicht bei den Fliegenschutz-Produkten, die meisten Pflegeprodukte wie Seifen, Shampoos oder auch Lederpflege-Produkte müssen nach der Detergenzienverordnung ausgezeichnet werden. Hier kann allerdings auch alternativ im Rahmen der Humanverordnung KGV informiert werden. Es mutet zwar merkwürdig an, aber wenn man sein Produkt nach Humanverordnung lizensieren lässt, sind die Bestimmungen weniger streng als eben im reinen Tierbereich. Dabei spielt anscheinend der enorme Einfluss der Kosmetik-Industrie eine entscheidende Rolle. Die lässt sich vom kritischen Verbraucher nicht so gerne in die Karten gucken und hat da bei den Verantwortlichen offenbar eine große Lobby. Denn eigentlich sollte man meinen, dass beim Menschen detailliertere Sicherheitshinweise notiert werden müssten als eben beim Pferd. Auch die H- und P-Sätze mit den Gefahrensymbolen müssen bei der Auszeichnung vieler Produkte berücksichtigt werden. Manche Produkte – wie beispielsweise die Pflegemittel für den Bereich – Huf gelten als sogenannte Gebrauchsgüter und müssen gar keine Angaben zu Inhaltsstoffen enthalten. Nicht alles, was zu einem kennzeichnungspflichtigen Pflegeprodukt verarbeitet wird, muss auch angegeben werden. Inhaltsstoffe mit nicht relevanter Bedeutung bleiben im Detail größtenteils unerwähnt – Beispiel: Kamillenextrakt.
 
Ganz viel Güte
Ein beliebtes Extra bei der Auszeichnung von Produkten sind die Gütesiegel. Aber Achtung: Das Logo oder Bildzeichen selbst trifft an sich keine qualitative Aussage. Inwieweit und mit welcher Spezifizierung ein Prüf- oder Gütesiegel tatsächlich eine besondere Produkt-Qualität repräsentiert, ergibt sich meist nur aus den zugrundeliegenden Bestimmungen, Regeln oder sonstigen zertifikatsbezogenen Hintergrundinformationen. MERKE! Ob Mindesthaltbarkeitsdatum, Inhaltsstoffe oder Herkunft – zu jedem Produkt im Einzelhandel gibt es Informationen, die an den Kunden weitergegeben werden müssen. Selbst kleine Daten entscheiden oftmals darüber, ob ein Produkt zur Kasse mitgenommen oder wieder in das Regal zurückgelegt wird, denn Infos über das Produkt oder der Preis sind häufig ausschlaggebend für die Kaufentscheidung des Kunden. Fehlen dem Kunden Informationen, geht der Kunde – und zwar ohne zu kaufen!. Die Warenkennzeichnung ist kein Buch mit sieben Siegeln. Alle notwendigen Infos sind hier notiert. Nichtsdestotrotz kann ein Hersteller dem Verkäufer einen Beratungsvorteil mit an die Hand geben. Beispielsweise bezüglich der Güteklassen der verwendeten Inhaltsstoffe. Denn hochwertige Ingredenzien verleihen dem Produkt letztlich seine Qualität. 
 

Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 6/2018


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