Noch

bis

HIPPO Logo

Krank zur Arbeit, was darf der Chef?

Rechtsanwältin Bettina Sander aus Mainz informiert!

Foto: © pixabay

 

Für einen Arbeitgeber, gerade wenn er nur über geringe Personalressourcen verfügt, ist es immer sehr schwierig, wenn Mitarbeiter arbeitsunfähig erkranken. Viele Arbeitgeber versuchen, Ihre Mitarbeiter dennoch zur Arbeit anzuhalten. Grundsätzlich gilt jedoch, solange der Arbeitnehmer eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegt, kann der Arbeitgeber ihn nicht zwingen, zur Arbeit zur erscheinen. Die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stellt zwar kein Arbeitsverbot im eigentlichen Sinne dar, sie erfüllt im Arbeitsrecht jedoch zwei Funktionen: Einerseits wird durch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung festgestellt, dass der Arbeitnehmer nach Ansicht des behandelnden Arztes derzeit nicht arbeitsfähig ist. Darüber hinaus wird eine Prognose seitens des behandelnden Arztes aufgestellt, wie lange diese Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich anhalten wird. Dem Arbeitnehmer steht es jedoch jederzeit frei, trotz Krankschreibung freiwillig zur Arbeit zu erscheinen. Wenn der behandelnde Arzt den Arbeitnehmer beispielsweise für eine Woche krankschreibt, der Arbeitnehmer sich jedoch nach vier Tagen genesen fühlt, steht einer Arbeitsaufnahme trotz Krankschreibung nichts im Wege.

Achtung
Etwas anderes gilt jedoch, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer, obwohl dieser sich subjektiv krank fühlt und objektiv seitens des Arztes auch krankgeschrieben ist, zur Arbeit anhalten möchte. Hierzu ist der Arbeitgeber nicht berechtigt. Dies führt auch regelmäßig zu großen Schwierigkeiten mit der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Bundesarbeitsgericht hat in einer Entscheidung aus dem November 2016 einem Arbeitnehmer Recht gegeben, der trotz Krankschreibung von seinem Arbeitgeber zu einem Personalgespräch geladen wurde und zu dem Personalgespräch nicht erschien.

?!
Sollte der Arbeitgeber die Krankheit des Arbeitnehmers anzweifeln, bleibt ihm nur der Weg über den medizinischen Dienst der Krankenkassen. Hier kann der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer verpflichten, beim medizinischen Dienst der Krankenkassen vorstellig zu werden, um die Arbeitsunfähigkeit überprüfen zu lassen. In keinem Fall hat der Arbeitgeber jedoch das Recht, eine detaillierte Diagnose zu erfahren. Er erhält auch vom medizinischen Dienst lediglich die Rückmeldung, ob der Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt ist oder nicht.

Veröffentlichung in der Online-Ausgabe HIPPO 10/2018: Dieser Text stellt keine Rechtsberatung dar und erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. 

Koelnmesse

Wir danken unseren Sponsoren