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Natur pur? – Was steckt drin im Pferdefutter?

Kunden von heute wollen in vielen Bereichen „zurück zur Natur“. Nicht nur bei ihrer eigenen Ernährung achten sie zunehmend auf Produkte ohne künstliche Zusätze wie Geschmacksverstärker, auch ihren Tieren wollen sie nur das Beste anbieten und achten deshalb auch hier darauf, dass möglichst wenig Künstliches im Futtersack steckt. Doch ob das naturnahe Müsli und die Biopellets wirklich nur aus Natur pur bestehen, lässt sich für den Kunden kaum nachvollziehen.

© Alexas Fotos_Pixabay


Und auch der Fachhändler muss hier ganz genau hinschauen und die Herstellungsschritte und -stationen sorgsam nachvollziehen, um den Kunden ehrlich beraten zu können und keine „unnatürliche“ Mogelpackung zu verkaufen!

Ob bei Hund, Katze oder Pferd – der Trend geht hin zu Bio-Produkten, zu nachhal­tigen Futtermitteln. Die Hersteller kommen diesem Wunsch nach – zumindest teilweise und eigentlich immer, wenn es darum geht, die Naturnähe werblich zu vermarkten. Hier müssen Verkäufer und Kunde also ganz genau hinschauen, um sich nicht von sogenannten „Clean Labeling“ blenden zu lassen.

Constanze Röhm, unabhängige Futterexpertin, erklärt: „Der Gebrauch von Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe ist gesetzlich geregelt. Es dürfen nur zugelassene Stoffe verwendet werden. Allerdings muss nicht jeder davon deklariert werden. Lediglich wenn die Regularien eine Obergrenze vorsehen, muss die Menge und Art deklariert werden. In der Regel kommen die Konservierungsstoffe direkt im Produk­tionsprozess der Grundstoffe zum Einsatz beziehungsweise die Grundstoffe sind schon allein durch ihren Produktionsprozess konserviert und entsprechend behandelt worden. Ähnlich gestaltet es sich mit den meisten Aromastoffen, die ebenfalls nicht deklariert werden müssen.“ Wie man als Verkäufer und Kunde hier den Braten riecht? Röhm erklärt: „Als Faustformel gilt: Je aufdringlicher ein Geruch ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um synthetische oder stabilisierte Aromen handelt. Der Einsatz von Farbstoffen in Mischfuttermitteln ist eher selten.“ Farbstoffe kämen, so die Expertin, eher im Bereich der Zusätze und Leckerlies vor. Da diese jedoch per Definition nur in äußerst geringen Mengen verfüttert werden sollten, kann man davon ausgehen, dass diese unproblematisch sind.

„Auch wenn Produkte als natürlich oder naturbe­lassen beworben werden, so ist diese Aussage rechtlich kein Garant dafür, dass keine Konservierungsstoffe zum Einsatz kommen. Per Definition sind die Grundfuttermittel immer natürlich oder naturbelassen. Die Werbung für ein Produkt muss aber im Grundprinzip halbwegs ehrlich sein. Was und wie beworben werden darf beziehungsweise nicht darf, ist Kern des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFBG) sowie der entsprechenden EU-Verordnungen.“

Danke, Constanze Röhm, Unabhängige Futterberatung, www.futterberatung-roehm.de

Wir produzieren wirklich pur

„Es gibt sicherlich Zusätze, gegen die nichts spricht, aber wir benötigen sie nicht. Wir stellen beispielsweise unsere Rüblies komplett ohne Zusatzstoffe her. Wir sind nämlich der Meinung: Künstliche Zusätze sind nicht notwendig. Für den Geschmack sind Rote Bete und Karotte optimal, sodass keine Geschmacksverstärker benötigt werden, und die Rote Bete bringt als Bonus noch ihre schöne dunkelrote Färbung mit.

Wir gehen davon aus, dass die Sensibilisierung für Zusatzstoffe im Leckerli mit der Preisfrage zusammenhängt. Von einem Produkt, das höher im Preis ist, wird eher erwartet, auf Zusatzstoffe zu verzichten, wohingegen Kunden, die lieber günstig kaufen möchten, nicht so stark auf die Inhaltsstoffe achten. Und ich denke, das gilt so auch für Futtermittel aller Art auf dem Tierfuttersektor: Kunden, die sich mit dem genauen Inhalt und der Zusammensetzung wirklich beschäftigen, möchten es eher pur und naturbelassen, sie scheuen davor zurück, ein Produkt mit vielen Geschmacks­verstärkern und anderen künstlichen Zu­sätzen zu kaufen, aber die Kundengruppe, die mehr auf den Preis bedacht ist und daher nicht so sehr darauf achtet, wird es nach wie vor geben und sie wird eben entsprechend einkaufen.“

Danke, Malin Krummel, OLEWO, www.olewo.de

Zusatzstoffe fügt man Futtermitteln aus den unterschiedlichsten Gründen hinzu. Sie allgemein zu verteufeln, ist sicherlich nicht richtig. Teilweise sind sie nämlich durchaus sinnvoll und nicht alle sind gesundheitsschädlich. Unterschieden werden grob: technologisches Zusätze (zum Beispiel Konservierungsstoffe), sensorische Zusätze (wie Aromen), zootechnische Zusatzstoffe (beispielsweise Darmflora­sta­bilisatoren) und ernährungsphysiologische Zusätze (zum Beispiel Vitamine). Nichtsdestotrotz geht der Trend berechtigterweise zu einem „Weniger ist mehr“!

Keine Noxen im Pferdefutter!

„Der größte Anteil an Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffen zählt zu den sogenannten Noxen. Das sind Stoffe, die den Körper langfristig schädigen können. Sie müssen über die Leber abgebaut werden und führen so zu einer Schwächung des Organismus. Die Leber gilt als Zentralorgan für das Immunsystem und wir konnten beobachten, dass Pferde mit einer geschwächten Leber zu Allergien und Infektanfälligkeit neigen, und im umgekehrten Fall, dass Allergien auch immer auf eine Problematik beziehungsweise nachhaltige Überbelastung der Leber zurückzuführen sind.

Wir verzichten grundsätzlich strikt auf Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffe. Unsere hochwertigen Kräuter in Apothekerqualität sind aromatisch genug und werden vom Pferd gut angenommen. Aufgrund der Zubereitungsform und der Inhaltsstoffe ist bei uns grundsätzlich eine Konservierung nicht notwendig. Durch die Tatsache, dass unsere Produkte durch dieses strikte Management die Leber des Pferdes nicht belasten und dadurch dem Stoffwechsel direkt zugutekommen, haben wir sehr große Erfolge bei der Fütterung von Pferden, was vom Kunden nicht nur sofort erkannt wird und am Pferd gesehen wird, da die Nährstoffe ungestört im Wirkort ankommen, sondern uns bleiben sehr treue Kunden dadurch auch erhalten.“

Danke, Susanne Weyrauch, www.dr-susanne-weyrauch.de

 


 

© Rambold Heiner_Pixabay

  

Nachgefragt bei Benjamin Mangelkramer von Josera

Künstliche Zusätze, also Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe – sind sie notwendig? Wenn ja, womit werten sie ein Futtermittel oder ein Leckerli auf?

BM: „Aus unserer Sicht sind sie nicht notwendig. Da auch im Pferdebereich Allergien eine immer wichtigere Rolle spielen, vermeiden wir diese Themen bewusst. Es entspricht unserer Philosophie, wenn wir bestimmte Geschmacks- oder Geruchserlebnisse erzielen wollen, mit natürlichen Rohwaren zu arbeiten, wie beispielsweise, echtes Pfefferminzöl in unserem Kräuter Aktiv.“

Gibt es Zusätze, die den Verkauf durchaus fördern, zum Beispiel, dass es für den Kunden besonders aromatisch duftet oder dass Leckerli besonders pinkig und glitzernd sind für Kinder-Kunden?
BM: „Auch hier setzen wir in unserem Unternehmen auf natürliche Rohwaren, die beispielsweise einen angenehmen Geruch schon mitbringen. Auch unsere Verpackungen werden nicht mit zusätzlichen Geruchsstoffen aromatisiert.“

Gibt es Zusätze – Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe, die nicht gesund sind?

BM: „Grundsätzlich sind futtermittelrechtlich ja gar keine ungesunden Zutaten zugelassen, das hilft dem Kunden. Allerdings entwickeln sich Allergien stets weiter, allergische Reaktionen können durch das intensive Verwenden künstlicher Zusätze bei sensiblen Pferden durchaus Reaktionen begünstigen.“

Der Kunde von heute, ist der sensibilisiert für das Thema Zusätze? Lehnt er die ab?BM: „Beim Grundfutter ist ein wachsendes Kundenbewusstsein zu bemerken, bei Leckerli ist das Bewusstsein der Kunden wesentlich geringer für diese Themen und die Toleranz entsprechend höher, der Trend kommt aber auch dort langsam an.“

Verzichten Sie gänzlich auf Konservierungszusätze?
BM:
„Bei typischen Pferde-Müslis mit qualitativ hochwertigen Rohwaren sind aus unserer Sicht tatsächlich keine Konservierungsstoffe notwendig. Eine gute Haltbarkeit ist grundsätzlich bei korrekt gelagertem und verarbeitetem Pferdefutter gege­-ben, da im Verarbeitungsprozess die Flüssigkeit entzogen wird. Konservierungsstoffe kämen eher bei Produkten mit einem höheren Feuchtigkeitsanteil zum Einsatz.“

Danke, Benjamin Mangelkramer, Josera, www.josera.de

 

Veröffentlicht in der Ausgabe Nr. 6 vom 17. Juli 2020 

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