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Pferd am Haken

Sich den Strick zu nehmen, ist bei Pferdeleuten nichts Schlimmes und gehört in jedem Stall zum tagtäglichen Procedere. Denn, zum Führen oder Anbinden, der Strick ist neben dem Halfter das Basis-Ausrüstungsstück Nummer eins. Eines das durchaus mehr Beratung vertragen könnte, als man ihm oftmals zugesteht: Ob weich oder hart, fest oder elastisch, dick oder dünn, mit Panikverschluss oder Karabiner – die Variabilität ist groß und das nicht ohne Grund!

Foto: © Pfiff Führstrick mit Karabiner

Spezialist oder Alleskönner?

Möchte Ihr Kunde sein Pferd mit dem Strick vornehmlich anbinden oder führen – das ist die erste Frage, die Sie abklären. Natürlich kann man auch einen Allrounder verkaufen – den zwei Meter langen Baumwollstrick, doch damit der Strick seine Funktion voll erfüllen kann, sollte er im besten Falle für nur eine der beiden Aufgaben verwendet werden. 
 
Warum? Weil der Anbindestrick mit einer leichten Elastizität, mit einem gut funktionierenden Panikhaken und einer überschaubaren Länge von bis zu zweieinhalb Metern punktet. Der Führstrick hingegen garantiert fixe Sicherheit und klare Kommandos durch seine feste Textur, durch ein Plus an Länge sowie einen starken Karabinerhaken. Ein kombinierte Führ- und Anbindestrick sollte nicht zu lang sein. Hier reicht die gängige Größe von zwei Meter Länge und einem Durchmesser von rund 14 Millimetern. Möchte Ihr Kunde sein Pferd führen und es an der Hand grasen lassen, erfährt er bei Modellen um die drei Meter Länge und einem Durchmesser von rund anderthalb bis zwei Zentimetern mehr Bequemlichkeit.
 

Foto: © Dirk Büttner_www.luxcompany-shop.de

 
Beim Westernreiten sind die Stricke und Halfter übrigens häufig wahre Schmuckstücke, werden mit Mustern und Quasten versehen. In diesem Bereich könnte man das Sortiment also durchaus einmal aufstocken und womöglich die Disziplinen einen.  Ines Hasenfuß mit ihrem Pferd Einsteins Bella Gun. www.hasenfuss-quarterhorses.de 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
Keine Panik
Stricke mit Panikhaken sind an sich eine feine Sache. Besonders zum Anbinden. Einen entscheidenden Nachteil allerdings haben sie. Führt man das Pferd und muss es mit einem kräftigen Ruck zur Ordnung rufen, dann lösen die Haken nicht selten ungewollt aus und öffnen sich. Eine wirklich unangenehme Situation für Ihren Kunden, die Sie ansprechen sollten. Wer deshalb lieber einen Strick mit Karabiner wählt und diesen auch zum Anbinden nutzt, dem können Sie natürlich das gute alte Strohband als Sollbruchstelle im Falle der Panik empfehlen oder aber als Zusatzverkauf einen separaten „Pull of“ anbieten können. Für Pferde, die sich beim Anbinden schnell aufhängen, können auch hochelastische Anbindevorrichtungen wie Gummiriemen eine gute Lösung sein. Raten Sie Ihrem Kunden, Pferde mit „Platzangst“ beidseitig auf der Stallgasse anzubinden.  

Foto: © Waldhausen

 
Bodenarbeitsseil mit Drehpanikhaken von 
Waldhausen
 
 
 
 
 
 

 
Klare Signale, sicherer Halt
Will Ihr Kunde den Strick primär zum Führen eines temperamentvollen Pferdes nutzen, dann sollte dieser auf jeden Fall mit einem sicheren Karabinerhaken oder einem sogenannten Bullsnap versehen sein! Seil oder feste Baumwolle bieten die nötige Stabilität, um per Strick klare und eindeutige Signale geben zu können und auch um den ein oder anderen Weghüpfer parieren zu können. Zum Anbinden aber sind die Führstricke oftmals zu steif, zu dick oder auch einfach zu lang. Fürs Führen eignen sich auch spezielle Führketten. Hier besteht der untere Teil aus Metall und lässt sich durch verschiedene Techniken so verschnallen, dass man über Maul und Nasenrücken eine erhöhte Einwirkung auf das Pferd bekommt. Wie genau die Kette gelegt wird, sollten Sie Ihrem Kunden dezidiert erklären. Sie könnten hierzu auch einen Folder mit entsprechenden Zeichnungen am Regal auslegen.
 
Bodenarbeitsseil mit Bullsnap von USG

Foto: © USG

 
 

 
 
Zündschnur
Dünne Stricke aus Perlon, Nylon oder ähnlichem Kunststoffmaterial sind haltbar und lassen sich gut knoten. Rutschen sie jedoch beispielsweise beim Führen eines stürmischen Pferdes Durch die Hand, herrscht „Brandgefahr“ – die ist allerdings bei genug Zug auch bei dünneren Baumwollstricken nicht von der Hand zu weisen. Die dickeren Baumwollstricke hingegen, die sich für das Führen als sehr komfortabel erweisen, sind nicht so praktisch beim Verknoten. Außerdem saugen sie sich bei Schmuddelwetter schnell mit Nässe voll und trocknen langsam.
 

Foto: © bbroianigo_pixelio.de


Der Strick-Trick: Produkte verbinden
Stricke sind im reiterlichen Alltag ungefähr so angesehen wie Socken, Slips oder Unterhemden. Sie gehören im Laden zu den Basics, bergen geringste Marge und sind, offen gesagt, oft ein bisschen langweilig. Aber: Sie sind notwendig, werden in Vielzahl, Vielfalt und immer aufs Neue gebraucht und sie eröffnen Ihnen als Verkäufer viele Verkäufe on top. Insofern ist das Thema Cross-Selling untrennbar mit dem Thema Stricke verbunden.
 
Genauso übrigens verhält sich das auch beim Halfter...
Cross-Sellingprodukte rund um Strick und Halfter, Anbinden und Führen gibt es zuhauf: Zwischenstücke, Ersatzkarabiner und spezielle Anbindevorrichtungen, Handschuhe, Klettplüsch oder -fell, Longe. Das gesamte Set der farbenfrohen Frühlingskollektion: also Halfter und Strick, Schabracke und Bandagen im angesagten Trend-Design der Saison...
  

Foto: © Rebecca Schoenbrodt Ruehl_pixabay


Halfter – Basic mit Potential
„Das Halfter ist ein gebissloser, meist aus Nylonband oder Leder gefertigter Kopfzaum, der zum Führen und Anbinden eines Pferdes verwendet wird“ – so eine offizielle Definition. Aber echte Pferdefreunde wissen: Ein Halfter ist viel mehr als das. Halfter, das ist eine Philosophie. Halfter haben Kult. Angefangen von der richtigen Farbwahl bis hin zum passenden Strick, der passenden Decke, den passenden Transportgamaschen gibt es so viele Faktoren, die das perfekte Halfter ausmachen, dass man eines ganz klar sagen kann: Ein einziges Halfter pro Pferd ist zu wenig. Sie merken: Halfter mausern sich bei der passenden Beratung zu einem wahren Verkaufsschlager. Und sind als solche mit dem Strick eng verbunden.
 
Schon die Unterscheidung der Halfter nach ihren jeweiligen Aufgaben und Einsatzgebieten eröffnet Ihnen als Fachverkäufer die Möglichkeit, eine ganze Reihe von verschiedenen Halftern zu verkaufen:
 
Alltag im Stall
Das Halfter für den Alltag wird gerne auch als Stallhalfter bezeichnet. Kunststoffe wie Nylon oder immer öfter auch Neopren sind – wie Sie wissen – hierfür die gängigen Materialien, aber auch Biothane hat seine Anhänger. Natürlich kann auch ein Lederhalfter als Stallhalfter verkauft werden, allerdings ist das natürlich eine sehr opulente Variante. Soll es Leder sein: Verkaufen Sie unbedingt die Lederpflege mit dazu...

Soft für die Reise

Das Halfter für Transport und Turnier ist zumeist die Luxusausführung des Stallhalfters. Als „Sonntagshalfter“ schmückt es den Pferdekopf auf der Fahrt zum und beim Gang übers Turnier. Um Pferden bei langem Tragen möglichst großen Komfort zu bieten, sollte es weich unterfüttert sein. Plüsch oder Lammfell bieten die weichsten Varianten. Aber auch verdickter Kunststoff oder Leder in der Unterfütterung polstern komfortabel. Das Genickstück ist dabei die gängigste Stelle für Polster. Doch auch die übrigen Riemen sind bei vielen Modellen extra abgepolstert.
 
Schulungshalfter vom Pferdeflüsterer
Das patentierte Schulungshalfter „Monty Roberts Dually“ ist eine effektive Trainingshilfe im praktischen Umgang mit dem Pferd. Besondere Unterstützung bietet das Schulungshalfter beim Führen und Verladen. Das Besondere an diesem Modell sind der zweifach verstellbare doppelte Nasenriemen, das doppelt gelegte Nylon sowie die seitlich angebrachten Ringe des flexiblen unteren Nasenriemens zur zielgerichteten Einwirkung und Ausbildung. Dieses Halfter ist mit stabilen Messingschnallen ausgestattet.
 
Geknotet, nicht geschnallt
Knotenhalfter haben keine Schnallen, sondern werden stattdessen geknotet. Das Knotenhalfter, auch Schnurhalfter genannt, ist für die Arbeit mit dem Pferd am Boden bestimmt, zum gemütlichen Spazierengehen oder zum entspannten Reiten, indem man seine Zügel daran befestigt. Anbinden, das sollten Sie beim Verkauf erwähnen, darf man sein Pferd mit einem Knotenhalfter nicht. Gerät das Pferd in Panik, reißt es definitiv nicht und kann dem Pferd dann Verletzungen wie Quetschungen und Nervenschäden zufügen. Im schlimmsten Fall kann sogar das Genick des Pferdes brechen. Das Knotenhalfter taugt ebenfalls auf gar keinen Fall als Weidehalfter!
 
Spezialist für Sicherheit
Unfälle, bei denen sich Pferde im eigenen Halfter verfangen und dabei schwer verletzen, sind vermeidbar! Zum Beispiel mit einem Sicherheitshalfter. Das Spezialhalfter öffnet sich bereits bei geringen Zuglasten von 50 Kilogramm. Das Pferd wird freigegeben – egal, ob es an einem Balken, dem Zaun oder mit dem Huf im Halfter hängt. Die Konstruktion hierbei ist simpel: In den Genickriemen des Halfters ist ein 15 Zentimeter langer Streifen mit Klettband eingearbeitet. Zugtests haben gezeigt, dass sich der Klettverschluss    des Halfters nicht abrupt öffnet. Vielmehr gleiten die beiden Kletthälften sanft und gleichmäßig auseinander, ehe sie den Pferdekopf endgültig freigeben. Das Sicherheitshalfter ist so konzipiert, dass es nicht beim täglichen Gebrauch aufgeht, sondern erst dann, wenn das Pferd festhängt und zu ziehen beginnt.

Foto: © Ykaiavu_pixabay

 
Beratungsmehrwert für Reitsport-Frischlinge
Ob ein Kunde erfahren oder unerfahren im Reitsport ist, merken Sie nach wenigen Worten. Hier ist es ein netter Zug und ein Plus im Vergleich zum Online-Handel, wenn Sie einige Tipps und Tricks rund um Halfter und Strick verraten!

Sicherheitstipp 1
Haken Sie den Strick nicht direkt in den Ring in der Mitte unterm Kinn des Pferdes ein, sondern setzen Sie hier eine Schlaufe aus Strohband dazwischen. Nun haben Sie quasi eine Sollbruchstelle. Wenn das Pferd beim Anbinden in Panik scheut, reißt das Bändchen und das Pferd trägt keine Genickverletzung davon.

Sicherheitstipp 2
Nehmen Sie dem Pferd auf der Weide das Halfter möglichst ab: Es besteht die Gefahr, dass es mit dem Halfter irgendwo (Äste, Tränke, Zaun) hängen bleibt. Wenn sich das Pferd am Kopf kratzt, kann es sich mit den Hufen im Halfter verhaken. Beim Spielen mit den Weidekumpanen kann das Halfter so verrutschen, dass es nur noch lose am Hals hängt. Tritt das Pferd beim Grasen in das Halfter, kann es zu schlimmen Stürzen kommen. Auch ein verlorenes Halfter stellt auf dem Boden eine gefährliche Stolperfalle dar. Und last but not least nehmen Sie das Halfter ab, damit kein Unbefugter Ihr Pferd leicht festhalten und wegführen kann.
 
Sicherheitstipp 3
Hängen Sie das Halfter des Pferdes an eine Halterung direkt vor die Box. Im Notfall, wie beispielsweise einem Brand, muss man nicht lange nach dem passenden Halfter suchen und auch jeder Helfer weiß, welches Halfter zu wem gehört!
 
Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 4/2019
 

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