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Plitsch, platsch – Nässe trotzen, trocken bleiben

Grau in grau; nass von oben, nass von unten, kalt. Kein Grund zum Trübsal blasen – weder für Sie noch für Ihre Kunden. Damit diese das Schmuddelwetter in Herbst und Winter trocken, gut gewärmt und total trendy genießen können, bieten Sie doch sicherlich ein funktionsstarkes Regensafe-Sortiment an und stellen die angesagtesten textilen Body­guards für Zwei- und Vierbeiner zusammen.

© angieconscious_Pixelio.de

Vom Amazonas nach Europa
Mit Gummi gegen Regen schützten sich die Eingeborenen des Amazonasgebiets bereits im 13. Jahrhundert. Sie „imprägnierten“ Schuhe und Kleidung mit dem milchigen Saft der Gummibäume. Das schauten sich zunächst europäische Einwanderer ab und trugen die Idee alsdann in ihre alte Heimat, die bis dato auf Öl im Kampf gegen die Nässe gesetzt hatten. Der Mann, der uns Europäer erstmalig richtig im Regen stehen ließ, war niemand Geringeres als Schottlands Supertüftler Charles Macintosh. Er entwarf 1823 den ersten richtigen Regen­mantel aus wasserdichtem, imprägniertem Baumwollstoff. Macintosh, dessen Nachfahren auch heute noch in der Regenmoden-Branche aktiv sind, konzipierte ein Anti-Regen-Textil mit zwei Lagen Baumwollstoff, die mit einer in Gummi löslichen Textilfarbe wasserdicht im­prägniert werden. Bei der zunächst getesteten einlagigen Variante klebte die Imprägnierung extrem auf der Haut des Trägers – deshalb also die doppelte Stofflage. Thomas Hancock nahm sich später der Erfindung Macintoshs an, optimierte sie und verhalf ihr 1843 durch das sogenannte Vulkani­sationsverfahren zur „Marktreife“.
 

© Karsten-Madsen_Pixabay

Achtung – Sondermüll
Regenbekleidung hält zwar trocken, allerdings häufig nicht auf gesunde Art und Weise. Immer wieder entlarven Studien (unter anderem von Greenpeace), den Giftstoffgehalt von Outdoor-Wear. Die Kleidung ist teilweise so stark kontaminiert, dass sie eigentlich als Sondermüll entsorgt werden müsste. Doch warum ist es so schwierig, auf toxische Textilzusätze zu verzichten? Der Grund liegt auf der Hand: Die Ansprüche an eine „Regenhaut“ sind schlichtweg paradox: Einerseits muss sie vollkommen dicht sein, andererseits soll sie durchlässig sein, dass Luft hinein und Schweiß heraus diffundiert. Das geht leider nur mit sehr viel Chemie. Giftig sind beispielsweise Weichmacher in Regenkleidung aus PVC. Diese giftigen Substanzen werden eingesetzt, um das etwas sperrige Kleidungsstück geschmeidiger und somit tragekomfortabler zu machen. Da die Weichmacher chemisch betrachtet nicht wirklich fest im Kunststoffprodukt verankert sind, dünsten sie aus und gelangen über die Haut in den menschlichen Organismus. Schon in geringen Mengen können sie den Hormonhaushalt des Menschen und seine Fortpflanzung stören. Störungen im Hormonhaushalt rufen auch zinnorganische Verbindungen hervor. Sie sollen die feuchte Kleidung vor Schimmel schützen.
 
Mit Pilcher durch den Regen
Eine echte Alternative zur synthetischen Regenkleidung bietet die gewachste Baumwolle. Die aus England stammende Ware, die aus keiner Rosamunde Pilcher-Romanze wegzudenken ist, schützt nicht nur dort Fischer, Bauern, Jäger und natürlich Pferdefreunden vor britischem Schmuddelwetter, sondern ist auch hier ein fester Bestandteil des modischen Countrystyles. Also nicht nur der Stil stimmt, auch der Stoff – gerade, wenn man ihn unter nachhaltigen Aspekten betrachtet: Das Naturprodukt Baumwolle wird mit einer Wachsschicht imprägniert und trotzt selbst starken Güssen standhaft. Lässt der Schutz nach Jahren nach, wird erneut gewachst. So einfach. So langlebig. So stylish.
 
Von der Säule zur Definition
Noch mal zur Erinnerung: Wie sicher Ihr Kunde und dessen Pferd im Regen ist, verrät Ihnen verbindlich die exakte Produktbeschreibung, Sie weist mit der Einteilung in wasserabweisend, wasserfest und wasserdicht nämlich die entscheidenden Produkteigenschaften aus. Wasserabweisend und wasserfest werden synonym verwendet und bedeuten: Wasser perlt ab. Die Beschichtung allerdings lässt Regen nur bis zu einem gewissen Grad und bis zu einer gewissen Dauer abblitzen. Dann kapituliert der textile Schutzschirm und lässt seinen Träger im Regen stehen. Wasserdicht besagt, hier geht nichts durch. Egal ob es minutenlang tröpfelt oder stundenlang schüttet. Denn bei einer wirklich wasserdichten Jacke saugt sich nur die Oberfläche voll, die Bekleidung im Inneren bleibt aber ansonsten durch die speziellen wasserdichten PTFE- beziehungsweise PU-Membrane und Laminate trocken und geschützt. Obacht ist dennoch geboten: Schließlich wird die Dichte in der entsprechenden Wassersäule angegeben. Sie besagt, bis zu welchem Druck auf das Gewebe das Dichte-Versprechen gilt. Eine Outdoordecke kann möglicherweise dafür sorgen, dass Nässe beispielsweise draußen bleibt, wenn der Regen auf das Pferd prasselt. Sie lässt aber Feuchtigkeit durch, wenn sich der 700 Kilo-Koloss in einer matschigen Pfütze wälzt.
 
Prost Regen
Ressourcen zu nutzen, das ist übrigens die Devise des von Hyeona Yang und Joshua Noble entworfe­nen Regenmantels. Die zwei Unternehmer aus Japan erfanden mit dem „Raincatch“-Regenmantel ein bemerkenswer­tes Funktionsdouble. Das nämlich schützt nicht nur ge­gen Schauriges, es fängt, wie der Name unschwer verrät, das Regenwasser kurzerhand auf. Tropfen für Tropfen. Diese perlen am Regenmantel herunter, verwandeln sich im in­tegrierten Filter zu sauberem Trinkwasser und lassen sich von dort durch einen schlauchartigen Strohhalm genüsslich einsaugen. Ein Prosit auf diese einfache wie geniale Lösung. Ob seines etwas klobigen Antlitz hält sich die Begeisterung mode­bewusster Fashionis­tas für den praktischen Coat zwar zurzeit noch etwas in Grenzen, aber: Gut Ding braucht Weile! Und spätestens, wenn die nächste Trockenperiode den Staub im Hals kratzen lässt, sehnt sich so manch einer nach Regengüssen und einem kräftigen Schluck aus dem umweltschonenden Raincatch.  

© Rainer Sturm pixelio

 

Trockenen Fußes

Nicht nur Leder-Reitstiefel und Stiefeletten sollten Sie im Angebot haben, sondern auch eine Auswahl an trittsicheren und laufbequemen Gummistiefeln. Schließlich verbringen die meisten Reiter mehr Zeit damit, auf der Reitanlage von A nach B zu rennen als im Sattel. Und genau dieser Weg führt immer durch Schlamm, durch Matsch, durch metertiefe Pfützen. Neben den guten, etwas unscheinbaren Reitgummi­stiefeln in konservativem Schwarz bieten Sie doch ganz sicherlich neonstarke, buntbemusterte Gummistiefel an, die fröhliche Farbigkeit ins nasse Grau bringen. Natürlich hat auch dezentes Kaki und Dunkelblau seine Berechtigung. Superbewährt ha­ben sich übrigens Gummi­stiefel aus Neopren, die an Laufkomfort nicht zu überbieten sind!
 
Fettes Leder
Nicht nur mit Stiefeln aus Gummi können Ihre Kunden übrigens Wind und Wetter trotzen. Auch speziell bearbeitete Leder versagen der Nässe den Zutritt ins Schuhinnere. Hierzu gehört insbeson­dere das sogenannte Fettleder: Fettleder wird als ein Oberbegriff für stark fetthaltiges Leder verstanden. Allen Fettledern gemein ist ein fettwachsiger Griff, ein matter Glanz sowie ein typischer Ober­flächen­effekt: Wird mit einem scharfkantigen Objekt beispielsweise mit dem Fingernagel über die Oberfläche gekratzt, so bleibt ein matter Streifen zurück. Dieser kann ohne Probleme mit einem Tuch einfach wieder aufpoliert werden.
 
Gut gepflegt hält länger
Gummistiefel sind sehr pflegeleicht. Diese Tatsache ist über die Wasserdichte hinaus sicherlich ein gutes Verkaufsargument. Geben Sie Ihrem Kunden fol­gende Reinigungstipps mit auf ihren Weg: Wer lange etwas von seinen Gummistiefeln haben möchte, der sollte sie mit Glyzerin pflegen, so schützt er das Gummi vor Versprödung. Anschließend wird das Regenschuhwerk mit speziellen Gummipflegemitteln eingerieben. Diese verhindern das vorzeitige Altern des Gummistiefels. Gelagert werden die Boots im besten Fall gereinigt und trocken.“
 
Gib dem Stiefel Futter
Damit Ihr Kunde bei nasskalter Kühle nicht völlig von den Socken ist, haben sich spezielle Übersocken mit zwei Lagen bewährt. Diese saugen den Schweiß auf und halten den Stiefel trocken. Einige Stiefel­hersteller bieten spezielle Gummistiefelsocken an, die den Fuß nicht nur warm, sondern auch trocken halten und zusätz­lich mit dämpfenden Eigenschaften ausgestattet sind. Welch schönes Cross-Over-Geschäft. Das schließen Sie auch ab, wenn Sie klassische „Ross­haarsocken“ oder Inlays aus Baumwoll­mischungen mit Hightech-Textilien an den Kunden bringen. Ein kuscheliges Plus im Innern von Gummistiefeln verspricht neben Fleece-Innensocken oder -strümpfen auch gummiertes Stiefelwerk mit entsprechender Fütterung.
 
Ehrlich währt am Längsten
Unter den FAQs bei Aigle setzt man auf Offen­heit – und das kommt gut an. Auf die Frage: Werde ich in meinen Stiefeln schwitzen, ant­wortet der Global Player in Sachen Regen­bekleidung: „Wir verpflichten uns dazu, Ihnen vollständig wasserdichte Gummistiefel zu bieten. Es ist heutzutage technisch nicht möglich, ein Produkt herzustellen, das vollkommen wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv ist. Sie werden in Ihren Stiefel je nach Wetter wahrscheinlich schwitzen, haben aber die Garantie, dass Ihnen auch Pfützen nichts anhaben können. Denn genau aus diesem Grund gönnen Sie sich diese Stiefel doch, oder?“ 

www.aigle.com

 

HIPPO fragt – Anna Blecker von Bucas antwortet

© Bucas

Wodurch zeichnen sich hochwertige und besonders robuste Regendecken aus?

„Eine hochwertige und besonders robuste Outdoor- Pferdedecke sollte mit einem extrem reißfesten, wasserdichten und atmungsaktiven Außenmaterial ausgestattet sein, wie beispielsweise dem Ballistic-Nylon-Material, welches eines der stärksten Materia­lien für Outdoordecken ist und zudem auch angenehm leicht ist, was die Decken für die Pferde sehr angenehm macht. Je weniger Nähte die Decke vor allem im Rückenbereich des Pferdes aufweist, desto besser ist dies für die Garantie der Wasserdichte. Natürlich sollte der Schnitt anatomisch optimal dem Pferdekörper angepasst sein. Zum Beispiel sorgen spezielle Abnäher im Schulterbereich für ausreichend Bewegungsfreiheit. Auch ist die korrekte Größe der Decke enorm wichtig für eine optimale Passform und Funktion der Decke. Daher empfehlen Sie jedem Ihrer Kunden, sein Pferd vor dem Kauf einer neuen Decke richtig zu messen und erklären Sie, wie gemessen wird!“
 
Sollte eine Regendecke immer ein Halsteil haben, weil sonst der Regen häufig bei erhobenem Hals in/unter die Decke rinnt?
„Ein Halsteil liefert einen zusätzlichen Schutz vor Regen und Kälte im Halsbereich. Jedoch spielen hier auch der Schnitt und die optimale Passform und Größe der Decke eine maßgebliche Rolle, dass Regen nicht unter die Decke gelangt.“
 
Wie schafft eine Regendecke den Spagat zwischen Regendichte und Atmungsaktivität?
„Ein atmungsaktives und zugleich wasserfestes Coating der Decke ist hier sehr wichtig. Damit die Beschichtung der Outdoordecke nicht an Funktion verliert, muss die Decke unbedingt mit einem spe­ziellen Deckenwaschmittel gewaschen werden und im Anschluss mit einer Imprägnierung behandelt werden. Bewährte Pferdedeckenhersteller und Rei­nigungsbetriebe führen Spezialwasch­mittel und Imprägnierungen im Sortiment.“
 
Welche Wassersäule und welche Denier Stärke sollte eine wirklich regensichere Decke aufweisen?
„Eine regendichte Pferde-Outdoordecke sollte im Minimum eine Wassersäule von 2.000 bis 3.000 Millimeter aufweisen. Denier hat primär keinen Einfluss auf die Regendichte – nur unter dem Aspekt der Haltbarkeit natürlich. Der Begriff Denier gibt das Maß des Gewichtes des verwen­deten Garns an. Denier ist ausschließlich Indikator für die Reißfestigkeit beziehungsweise Stärke des Materials. Die Stärke des Außenmaterials ist jedoch von vielen weiteren Faktoren abhängig, wie beispielsweise welche Faserart wird für das Außenmaterial ver­wendet: Nylon, Polyester, Poly­propylen und so weiter. Weiterhin wird zwischen verschiedenen Faser- und Webarten unterschieden, somit kann bei Verwendung des gleichen Garns mit unterschiedlicher Webart ver­schiedene Materialstärken erreicht werden. Fazit: Die Art, Zusammensetzung und Produktion des Gewebes ist für die Gesamtstärke des Obermaterials der Pferdedecke verantwortlich.“
 
Wie entsorgt der Kunde eine dick beschich­tete Outdoordecke eigentlich? Sollte der Händler sie zurücknehmen, nehmen Sie die Decke zurück und recyceln sie vielleicht sogar?
„Die Verantwortung der Entsorgung liegt beim Endverbraucher. Natürlich ist es jedem Händler frei, gestellt hier einen Rücknahme-Service anzu­bieten. Es werden mittlerweile erste Pferdedecken aus recycelten Materia­lien hergestellt, die nach der Verwendung ebenfalls wieder recycelt werden können.“
 
In welchem Fall raten Sie dem Händler eher dazu, eine dünne Regendecke mit einer dickeren Unterdecke zu verkaufen? In welchem Fall einen Allrounder, also die dickgefütterte Regen-/Outdoordecke in eins?
„Welche Decke für das Pferd optimal ist, ist individu­ell nach Pferdetyp, Haltungsform, Sport- oder Freizeitpferd zu entscheiden. Einige Besitzer und Pferde bevorzugen ein flexibles Lagensystem mit Unterdecke in verschiedenen Grammaturen in Kombination mit Outdoordecken mit verschiedenen Grammaturen. Andere hingegen bevorzugen den Allrounder und entscheiden je nach Temperatur, welche Decke mit welcher Füllung das Beste ist. Grundsätzlich sollten die Pferde unter den Decken nicht schwitzen, daher ist es wichtig, dass vor allem die Outdoordecken einen weiten Temperatur­bereich abdecken und eine gute Atmungsaktivität gewährleisten.“
 
Was hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich in Sachen regenfesten Outdoor­decken verbessert?  
„Es werden im ständigen Prozess bei der Pferde­deckenentwicklung Details wie Atmungsaktivität, Passform, Gewicht, Komfort und nachhaltige Materialien verifiziert. Hierbei spielen Erfahrungen der Produzenten, Fachhändler und Endverbraucher eine sehr wichtige Rolle.“

Veröffentlichung in der Ausgabe HIPPO 9/2020 

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