Noch

bis

HIPPO Logo

Schluss, aus und vorbei – kündigen während der Ausbildung!

Rechtsanwältin Bettina Sander aus Mainz informiert!

Das Ausbildungsverhältnis ist ein ganz spezielles Arbeitsverhältnis. Es gelten neben den allgemeinen arbeitsrechtlichen Vorschriften die Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG).

Foto: © Gerd Altmann_pixabay

Grundsätzlich endet das Ausbildungsverhältnis automatisch mit dem Ablauf der vereinbarten Ausbildungszeit. Wenn der Auszubildende aber vorher schon die Abschlussprüfung besteht, endet das Ausbildungsverhältnis mit dem Bestehen der Prüfung. Bei Nichtbestehen der Prüfung verlängert sich das Ausbildungsverhältnis auf Verlangen des Auszubildenden bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, allerdings höchstens um ein Jahr (§ 21 Abs. 3 BBiG). Häufig kommt es jedoch während der Ausbildung zu Unstimmigkeiten. Diese können entweder darin liegen, dass dem Auszubildenden die Tätigkeit doch nicht liegt und er sich umorientieren möchte oder dass der Ausbilder feststellt, dass die Fähigkeiten des Auszubildenden nicht ausreichend sind, den angestrebten Beruf zu erlernen. In einem solchen Fall ist eine Beendigung des Ausbildungsverhältnisses zwar sinnvoll, aber nicht ohne Weiteres möglich. Grundsätzlich kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten gekündigt werden. Dabei ist zu unterscheiden, ob die Kündigung vor Ausbildungsbeginn, während der Probezeit oder nach Ablauf der Probezeit erfolgen soll. Läuft es zwischen Auszubildendem und Arbeitgeber nicht rund, dann kann das Ausbildungsverhältnis in der Probezeit von beiden Seiten aus vorzeitig beendet werden.
 
Eine Kündigung des Ausbildungsvertrags ist während der Probezeit jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist möglich. Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen. Nach Ablauf der Probezeit wird es komplizierter, den Ausbildungsvertrag zu kündigen. Eine ordentliche Kündigung durch den Ausbilder ist dann ausgeschlossen. Er kann den Ausbildungsvertrag nur außerordentlich aus wichtigem Grund kündigen. Der Auszubildende hingegen darf auch nach Ablauf der Probezeit das Ausbildungsverhältnis mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen kündigen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben möchte oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen will.
 
Einem Ausbildungsverhältnis geht häufig ein Praktikum voraus. Sofern der Ausbildungsvertrag bereits abgeschlossen ist, aber das Ausbildungsverhältnis noch nicht begonnen hat, können beide Parteien den Ausbildungsvertrag kündigen. Das Bundesarbeitsgericht rechtfertigt dies damit, dass ein Lehrverhältnis am ersten Tag der Ausbildung in der Probezeit ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden kann. Deshalb besteht auch kein Schutzbedürfnis, wonach eine Kündigung vor Ausbildungsbeginn ausgeschlossen sei. Im Interesse des Auszubildenden müsse die Kündigung möglichst frühzeitig erfolgen, um schnellstmöglich eine Alternative zu suchen.
 

Tipp: 

  • Jedem Ausbildungsverhältnis sollte ein Praktikum vorgeschaltet werden. 
  • In jedem Ausbildungsvertrag sollte eine Probezeit (maximal vier Monate) vereinbart werden.

Veröffentlichung in Ausgabe HIPPO 5/2019: Dieser Text stellt keine Rechtsberatung dar und erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

Koelnmesse

Wir danken unseren Sponsoren