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Risiko Rücken

Wenn es im Rücken zwickt, kann das viele Gründe haben: Neben zu wenig Bewegung, Fehlbelastungen und Überbeanspruchung spielen hier auch die Faktoren Übergewicht und genetische Veranlagung eine Rolle. Nicht nur zu langes Sitzen und Stehen stresst den Rücken, auch Liegen auf falschem Untergrund wie beispielsweise einer zu weichen Matratze ist ein echter Super-Gau für den Rücken. Zu guter Letzt können auch Stress und zu viel Druck Auslöser für Rückenbeschwerden sein. Natürlich verursachen seelische Qualen keinen direkten Rückenschmerz aber: Sie verursachen unter anderem Verspannungen, die dann im Rückenleiden ihren Ausdruck finden.

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Volksleiden Nummer 1
Rückenschmerzen gelten heute ganz allgemein als Volksleiden Nummer 1. Mehr als acht von zehn Erwachsenen klagen über das Kreuz mit dem Kreuz. Frauen leiden dabei häufiger am schmerzenden Rücken als Männer, Menschen mittleren Alters häufiger als Jungspunde oder Senioren,  Job bedingte Vielsteher und Dauersitzer häufiger als Beschäftigte, die in flexibler Arbeitshaltung agieren. Verkäufer gehören ohne Frage zu den gefährdeten Berufsgruppen in Sachen Rückenschmerzen.
 
Nichts geht mehr
Schmerzhaft Sattelschlepper und Paketboten
Nicht nur langes Stehen belastet Ihren Rücken im Verkauf. Auch Ihre Schwerstarbeit als Lastesel ist nicht ohne. Lieferungen müssen angenommen und verteilt werden, eine gewichtige Aufgabe! Rücken freundlich bewerkstelligen Sie das, indem Sie funktional korrekt anheben: Positionieren Sie sich möglichst frontal vor die Last und so nah wie möglich an diese heran. Dann geht’s in die Knie. Neigen Sie den Oberkörper in Richtung Last, spannen Sie Rücken- und Bauchmuskeln an, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und heben Sie die Last mit geradem Rücken an. Atmen Sie während des Hebens und Tragens gleichmäßig weiter. Tragen Sie die Last nah am Körper, halten Sie dabei den Rücken aufrecht und gerade. Ein seitlich verdrehter oder nach vorn gekrümmter Rücken sollten Sie unbedingt vermeiden.

Langes Stehen – verspannte Muskeln
70 bis 80 Prozent des Arbeitstages verbringen Verkäufer im Stehen. Und das ist ganz schön anstrengend. Gerade für den Rücken. Denn langes Stehen verlangt von den Muskeln echte Höchstleistung und große Muskelpartien sind in Dauer-Anspannung, um den Körper in aufrechter Position zu halten. Das macht sich nach einiger Zeit bemerkbar. 

An ihr hängt alles
Die Wirbelsäule - aufrecht, gleichzeitig beweglich und setzt sich aus insgesamt 24 Wirbeln zusammen – sieben Hals-, 12 Brust- und 5 Lendenwirbel. 23 Bandscheiben trennen die einzelnen Wirbel voneinander und funktionieren wie Stoßdämpfer. Diese sind nicht knöchern, sondern bestehen aus einem Knorpelring mit weichem Kern.

Fiese Hexen
Wie ein Blitz schießt er in den Rücken – der viel gefürchtete Hexenschuss. Dieser akute und heftige Schmerz im Kreuz wird allerdings nicht durch den Pfeil einer Hexe ausgelöst. Eine ungünstige Bewegung, ein Unfall oder eine eine schädliche Haltung sind in der Regel Gründe für den spontan auftretenden Schmerz, der oft übel in die Beine ausstrahlt. Dann nämlich, wenn der Ischiasnerv betroffen ist. Die gute Nachricht: Nach wenigen Tagen schleicht sich der Schmerz aus. Auch ohne Behandlung. Bis dahin helfen: Wärme, Massagen und  das Liegen auf dem Rücken in der sogenannten Stufenlage. Neben Entspannung hilft auch leichte Bewegung und gezielte Mobilisation: Schonen Sie sich also nicht zu sehr! Bringen Sie Ihren verspannten Rücken mit dehnender Gymnastik wieder in Schwung, gehen Sie spazieren oder schwimmen. In Maßen. 
 
Böser Vorfall
Der Bandscheibenvorfall ist auf den ersten Blick schwer vom Hexenschuss zu unterscheiden, aber: Er ist deutlich gravierender. Handelt es sich doch um eine nachhaltige Schädigung des menschlichen Stützapparates: Stellt man sich die Bandscheiben als weiche Wasserkissen zwischen den einzelnen Wirbeln vor, versteht man schnell, was beim Bandscheibenvorfall passiert: Die Kissenhülle wird zerstört, und durch das Loch oder den Riss tritt das Wasser – in diesem Fall die Bandscheibenflüssigkeit – aus. Das Kissen verliert dadurch an pufferndem Volumen. Das ist nicht gut, denn so kann die Bandscheibe ihre Funktion als Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln nicht mehr erfüllen. Zudem drückt sich das beschädigte Gewebe dann in den Wirbelkanal und reizt die Nerven, was starke Schmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen verursacht. Rund 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle betreffen die Lenden-Wirbel. Die übrigen zehn Prozent passieren im Bereich des Nackens.

 

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Stabilisieren und mobilisieren
Dr. Rittchen rät - Der Orthopäde im Interview
 
Wann ist ein Rücken wirklich nachhaltig gesund?
„Wenn er im ganz normalen Alltag frei von Schmerzen und frei von Verspannungen seinen Dienst tut.“
 
Die wenigsten Rücken sind anatomisch ideal. Muss deshalb fast jeder Rückenschmerzen haben, oder gibt es da bestimmte Komponenten, die für mehr oder weniger Schmerzempfinden im Rücken sorgen?
„Ein Rücken, der nicht so aussieht wie ein gesunder Rücken aus dem Lehrbuch, muss nicht weh tun. Selbst bei Verkrümmungen und nach Bandscheibenvorfällen, kann ein Rücken Beschwerde frei funktionieren. Er muss allerdings vernünftig trainiert werden. Rückenschmerzen sind häufig auch abhängig von der persönlichen Schmerzwahrnehmung und von psychischen Komponenten.“
 
Ihre Favoriten-Übung für einen gesunden Rücken?
„Der Rücken muss einerseits mobilisiert, andererseits stabilisiert werden. Bewegung und der stete Wechsel zwischen Haltungspositionen hält den Rücken mobil und frei von Verspannungen. Zum Stabilisieren empfehle ich Planking – auch bekannt als Unterarmstütz. Hier werden alle relevanten Muskelpartien gestärkt.“
Vielen Dank, Dr. Andreas Rittchen!

Keine krummen Hunde
Um den Rücken zu entlasten verfallen viele „Langsteher“ in eine Schonhaltung. Die hilft zwar auf den ersten Blick. Bei genauer Betrachtung allerdings führt dieser Ausweg direkt in einen Teufelskreis: Denn solch eine Schonhaltung entspricht mitnichten einer natürlichen und gesunden Körperhaltung und zieht eine einseitige – sprich Fehlbelastung – nach sich. Verspannte Muskeln und weitere Schmerzen sind die ungewollte Folge.

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Flexibilität ist gefragt
 
Übungen stärken den Rücken
Ob Katzenbuckel, oder Hängebrücken, Situps oder Planking – alles was den Rücken entspannt, dehnt stärkt, stabilisiert und mobilisiert tut ihm gut. Hier gibt es eine Fülle an funktionellen Übungen, mit und ohne Geräte. Meist benötigt man nur eine Gymnastikmatte, eine korrekte Anleitung und genügend Motivation. Wer den inneren Schweinehund allein nicht besiegen kann, geht ins Gym, in die Rückengruppe im örtlichen Sportverein oder zum Physiotherapeuten.

Starke Bauchmuskeln
Wer einen stabilen Rücken möchte, muss seine Bauchmuskeln stärken! Warum? Weil es eben nicht nur die Rückenmuskulatur ist, die den Rumpf in Form hält, sondern eben auch richtig gut trainierte Bauchmuckis! Nur als Team können Rücken- und Bauchmuskeln ihre Funktion als Stützer und Schützer der Wirbelsäule bestmöglich erfüllen. Also: Das Sixpack sieht nicht nur gut aus, es ist auch gesund!
 
Los geht´s
Dauerstehen belastet Ihren Rücken. Selbst wenn man „richtig“ steht – also hüftbreit und sicher auf beiden Beinen. Deshalb: Bewegen Sie sich! Treten Sie auf der Stelle – ja hier ist das ausdrücklich erlaubt! Oder gehen Sie durch den Laden – da können Sie dann auch gleich immer wieder nach dem Rechten schauen und für Ordnung sorgen. Wenn aber Stillstand nicht abzuwenden ist, dann stützen Sie sich ab. Dafür gibt es extra Stehhilfen – und die sind eine echte Wohltat!
 

Veröffentlichung in der Print-Ausgabe HIPPO 1-2/2018


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